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15.06.2019 - Nur so dahingeträumt?

Wie auch schon an den letzten Tagen, sitze ich am Strand. Am Boot ist es definitiv zu heiß um sich entspannen zu können. Habe mir mein Strandlager wieder neben dem Kiosk mit der freundlichen Verkäuferin aufgeschlagen. Hier habe ich meine eigene Ecke zwischen der Seitenwand des Kiosks und der Natursteinmauer, die den Strand zu den Gärten der Ferienhäuser hin abgrenzt und mir zumindest ab 14:30 Uhr einen, einen halben Meter breiten Schattenstreifen spendet.

Ich mache jetzt schon fast 1 Woche "Urlaub", wenn man das in meinem Fall so bezeichnen kann. Ich, ne Woche am Strand!? War ich doch eigentlich nie so der Strand-Typ! Es war mir immer irgendwie zu langweilig. Ich brauchte immer ein wenig Action. Und jetzt gehe ich schon den 5. Tag in Folge hin!? Alleine!? Wahrscheinlich brauche ich jetzt GENAU DAS!

Es tümmeln sich nun zwar von Tag zu Tag mehr Menschen hier am Strand, aber es ist immer noch bedeutend ruhiger, als ich das von meinen Strandurlauben in der Hochsaison kenne. Ist es diese Ruhe, die mich immer wieder hinzieht? Das einfach mal nichts tun müssen und für nichts verantwortlich zu sein? Und warum wird mir nicht langweilig, wo ich es doch in der Vergangenheit keine 2 Tage am Stand ausgehalten habe?! Ich mache nicht viel. Gehe jeden Tag 2-3 Mal für eine Zeit ins Wasser und lasse mich einfach treiben, hole mir mal ein Eis, einen Cappuccino oder ein kühles Blondes. Hin und wieder schreibe ich auch ein paar Zeilen aber die meiste Zeit denke ich einfach nach. "Sinniere" vor mich hin...

Wie wird diese Geschichte, die ich gerade schreibe, die Geschichte meines Lebens, wohl enden? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht! Fehlt mir die Kreativität, die Lösungen, die da draußen sicher auf mich warten, zu sehen? Oder bin ich immer noch zu sehr in alten Konditionierungen gefangen, die diese Geschichte wohl zu einem unspektakulären, weder MICH noch den Leser, der unter Umständen gefallen an der Geschichte findet, unbefriedigenden Ergebnis, quasi einem "Unhappy-End", bringen wollen?

Ich glaube an Kreativität mangelt es mir nicht. Eher an der Motivation, der Kraft, einen weiteren großen Schritt in eine unsichere Zukunft zu gehen. Wenn ich "unsicher" schreibe, dann meine ich das eigentlich nur im Sinne von finanziell unsicher! Bei allem anderen bin ich mir (fast) sicher! Ich WEIß, dass mir manche Versionen einer möglichen Zukunft mehr Erfüllung bringen würden, als das, mit dem ich mich in letzter Zeit, ja die letzen Jahrzehnte konfrontieren musste. Ich glaube ich weiß, was ich will, was ich kann, wo meine Grenzen sind, was ich noch alles interessantes lernen möchte und vor allem WOFÜR MEIN HERZ BRENNT. Nur getraue ich mir das, als gelernter Wohlstandsgesellschaftler und jemand, der leider immer noch zu viel Wert darauf legt, was andere von ihm denken könnten, oft selbst nicht einzugestehen.

Klar gibt es auch Momente des Selbstzweifels. Wer mich kennt, weiß dass ich eben mal so bin! Aber diese sind, wenn man sich ansieht, was ich in den letzten Monaten in die Wege geleitet, organisiert, repariert, erlebt und vor allem gelernt und duchgestanden habe, wohl eh unangebracht! Ich glaube, wenn man etwas so richtig gern macht, mit all seiner Leidenschaft, dann kann man es nur gut machen. Und wenn man etwas gut macht, sollte sich doch auch ein gewisser Erfolg einstellen! Und das ist jetzt nicht mal nur so dahingeträumt, sondern eigentlich die logische Folge, oder? Was meint ihr? 





13.06.2019 - Gleiten statt hetzen

Ich starte in den Tag, indem ich zum wiederholten Male versuche einen "segelbaren" Turn, für die vorerst letzte Woche, die ich hier alleine verbringen werde, auszuarbeiten. Es weht kein wirklich brauchbarer Wind und das Bisschen bewegte Luft, dass es in den nächsten Tagen geben wird, wird lt. Prognosen aus irgendwelchen wechselnden Richtungen kommen. Die eineinhalb Tage öde Einhand-Motorfahrt während des letzten Turns reichen mir für's Erste. Bei dieser Affenhitze tue ich mir keinen 18 PS Motorboot Turn mehr an!

So launche ich das Dinghy und rudere einkaufen. Wenigstens ein wenig Bootfahren. Noch ist es nicht zu heiß zum Rudern! So setze ich über zum ULTRA-Markt, quer über das Hafenbecken. Mein Dinghy besteht aus einigen separaten, aufblasbaren Kammern, die unten rum quasi einen "Kiel" bilden! So lässt es sich relativ kursstabil rudern und gleitet auch super über die Wasseroberfläche. Mit meinem Edel-Dinghy schaffe ich die, lt. Navionics 0,1 NM zur Mole auf der gegenüberliegenden Hafenseite, wo ich mir einen freien Anlegeplatz zwischen den Fischerbooten suche, in wenigen Minuten.

Auf dem Rückweg kreuzen 2 Motorboote meinen hart angelegten Kurs zurück zu meinem Liegeplatz in der Marina und verhindern somit eine noch schnellere "Passage" quer über den Hafen. Grummel .... Ja, irgendwie bin ich immer auf der Suche nach neuen persönlichen Rekorden, wie es scheint! Ein Relikt aus 43 Jahren Leben in einer auf Leistung und Erfolg getrimmten Gesellschaft?

Nachdem ich die Hälfte des zuvor im Laden entstandenen Vanillestrudels verspeist habe, packe ich meinen Seesack. Strand-Handtuch, ein Packerl Marlboro Gold, Feuerzeug, Handy, Bargeld und eine der billigen Schaumstoffmatten, die ich vor ein paar Wochen für Tinas Cockpitbänke zugeschnitten habe, jedoch noch nicht wirklich in Verwendung hatte. Auch ich lerne irgendwann mal dazu! 2 Tage lang habe ich mir auf dem Schotter den Arsch wundgesessen. Das konnten die jeweils 2 eiskalten Bierchen, die ich am Kiosk erstehen konnte und im glasklaren Wasser sitzend zu mir genommen habe, auch nicht ausgleichen. Nein, heute werde ich so weich sitzen, wie die Prinzessin auf der Erbse damals wohl gebettet worden ist.

Obendrein packe ich noch ein Notizbuch in den knallroten Seesack mit der Aufschrift "MAX", welchen ich sonst für mein Ölzeug verwende. Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Die Zeit war wahrscheinlich zu turbulent?! Ich habe einige spannende und entspannende, aufregende sowie langweilige und auch recht "prekäre" Erlebnisse gehabt, Besuch empfangen und auch ein paar wirklich nette Boots-Nachbarn kennengelernt. Manfred und Gabi aus der Steiermark, sowie Wolfgang und Ingrid aus meiner Heimat, dem Waldviertel. Die Steirer sind Motorbootfahrer, die Waldviertler Segler wie ich. So gibt es natürlich mit beiden Pärchen allerhand Stoff für nette und lehrreiche Gespräche. Die 4 sind wirklich sehr lieb, und vom, ich glaube, selben Menschenschlag wie ich!

Frage mich, ob es immer dieselbe Art von Mensch ist, die die Freiheit und Ruhe, aber auch das Abenteuer auf dem Meer sucht!? Wahrscheinlich ist es so. Ich habe hier unter den Eignern noch keinen kennengelernt, der nicht freundlich, hilfsbereit, herzlich, offen für Neues und die Ansichten anderer wäre.

Auch die Einheimischen sind größtenteils mega entspannt! So eine Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden, kenne ich von zu Hause ebenfalls nicht. Hier wird einem oft für wenig Geld geholfen. Luka hat mir zum Beispiel bei Vielem, wie etwa bei der Organisation des neuen Dinghy-Motors geholfen, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Die Menschen haben hier oft nicht viel! Sie hätten meine in den vergangenen Monaten oft missliche Lage schamlos ausnützen können, um so ein wenig vom Kuchen der mitteleuropäischen Wohlstandsgesellschaft abzubekommen, aber sie taten es nicht! Warum? Ist das pure Nächstenliebe? Vielleicht! Ich denke aber, dass der Grund darin liegt, dass die Leute hier, mit dem was sie haben, doch meist "gut" über die Runden kommen und nicht zwanghaft immer mehr wollen!

Das macht vermutlich den Unterschied! Wir Mitteleuropäer sind auf permanentes Wachstum (leider nicht auf persönliches Wachstum, sondern wirtschaftlich gesehen) gedrillt. Höhere Gewinne, mehr Einkommen, eine bessere Position, ... es ist ein permanenter Kampf um mehr; und das zu Kosten unseres Lebens! Wenn wir uns ehrlich sind: Arbeiten wir nicht nur deshalb so viel und verbissen, damit wir es uns eines Tages im Ruhestand gut gehen lassen können? Damit wir dann genug auf der Seite haben, um das zu tun, was wir immer schon wollten? Mit 65!? Die nach den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts geborenen wohl erst mit 70 Lebensjahren?! Bis dahin üben wir tagtäglich eine Tätigkeit aus, die uns womöglich gar keine Erfüllung bringt, nur um den entsprechenden Reichtum anzuhäufen, damit wir in Rente endlich zu leben beginnen können!

Es muss doch schön sein, wenn man nicht permanent IMMER MEHR wollen muss, sondern mit dem, was man hat, zufrieden sein kann. Viele von den Leuten hier haben vermutlich kein dickes Bankkonto. Trotzdem wirken sie meist weitaus glücklicher und vor allem entspannter als wir, weil sie vermutlich nicht so dem Reichtum und wirtschaftlichen Erfolg hinterherhetzen wie wir und vor allem mehr von jenem kostbaren Gut haben, welches uns so abgeht: ZEIT! Zeit für sich und die Dinge die man gerne tut. Zeit für Freunde und Familie. Diese entspannte Herzlichkeit, mit welcher die Leute hier feierabends am Strand mit ihren Kindern im Wasser spielen! So etwas findet man in Mitteleuropa selten.

Wir sind so in unserem Hamsterrad gefangen, verblendet von falschen Führern, den falschen Idolen, von dem, was uns tagtäglich einzureden versucht wird, was wir nicht alles haben, schaffen oder erreichen müssen, sodass wir eine vollkommen verzerrte Sichtweise auf das, was LEBEN eigentlich bedeutet, entwickelt haben.

Die Realität ist die: Wir werden alle sterben!!! Durchschnittlich stehen einem jeden von uns rund 80 Lebensjahre zur Verfügung. 60-70 davon - wenn man Kindheit/Schule/Studium/Ausbildung abzieht, bleiben immer noch 40-50 - machen wir etwas, was wir unter Umständen gar nicht wollen, nur um dann im Alter vielleicht 10, bestenfalls 20 Jahre lang endlich das tun zu können, was uns wirklich wichtig ist? Was uns Erfüllung bringt? Alter!? Wer ist so unmenschlich uns in ein System zu pressen, in welchem der Output, der wahre Gewinn nur in eine Richtung fließt; zu jenen, die ohnehin schon das meiste besitzen?! Ich denke diese Frage beantwortet sich von selbst...

Es bleibt eines jeden Menschen eigene und freie Entscheidung, bei diesem System mitzumachen, oder sich für einen anderen, entspannteren, weniger auf die ferne Zukunft, sondern vielmehr auf das Jetzt ausgelegten Lebensweg zu entscheiden. Inmitten unserer konsumgesteuerten, aus zu Egoisten erzogenen Menschen bestehenden Gesellschaft, ist es schwer, aber nicht unmöglich einen alternativen Lebensweg zu bestreiten. Wo anders ist es vielleicht leichter. Vielleicht an einem Ort, wo dem wohlkonditionierten Mitteleuropäer etwas vorgelebt wird, was eher auf das Hier und Jetzt, auf das wahre Leben ausgerichtet ist? Wo man nicht als faul abgestempelt wird, wenn man weniger schafft, dafür aber mehr lebt?!

Ich weiß es nicht! Und wie so oft weiß ich nicht, was ich will! Will ich zurück ins Hamsterrad und genauso weitermachen wie bisher? Oder mit weniger auskommen müssen, dafür aber ZEIT haben und das tun können, was mich erfüllt? Gibt es einen Mittelweg? Ich denke, den muss es geben. Auf unserer Reise von A nach B, also von Geburt zu Tod haben wir zwischendurch viele Möglichkeiten irgendwo vom Konsum-Highway abzufahren und die Landstriche abseits zu erkunden, ja zu ER-leben! Viele nützen diese Möglichkeit nicht. Legen ihre Scheuklappen niemals ab. Manche machen nur einen kurzen Abstecher ins "Outback" des wirklichen Lebens, entscheiden sich dann aber wieder auf den Highway aufzufahren und bei dieser irrwitzigen Rauschefahrt gegen die Wand (es WIRD krachen! Das ist so sicher wie das Amen im Gebet!) weiter mitzumachen. Andere zieht das, was sich eher nach LEBEN anfühlt, denn das was sie bisher als "gutes Leben" vorgegaukelt bekamen, derart an, dass sie nach einer Alternative zum Leben im Hamsterrad, auf beschriebenem Highway suchen. Ich denke, einer von denen bin ich ....

08.06.2019 - Marina Veli Rat / Dugi Otok => Konoba BAIN / Otok Zut ... "Der Fast-Hitzetod auf See"

Heute will ich wieder zurück Richtung Süd-Osten, nach Zut zur Konoba BAIN. Leider finde ich absolut keinen Wind vor, also muss ich motoren. Es folgt eine extrem langwierige und langweilige Motorfahrt. Ich muss mit meinem 18 PS Motor gegen die Strömung an und schaffe somit maximal 3,5 Knoten Speed. Uff! Noch dazu ist es brütend heiß und ich habe nicht mal Segel gehisst, die ein wenig Schatten spenden würden.


Zumindest muss ich unter Motorfahrt nicht auf meine Batterien achten, so kann ich mit lauter Musik das Motorengeräusch übertönen und mich ein wenig bei Laune halten.

Ich rufe in der Konoba an und reserviere mir einen der 4 Plätze an der Mole. Ich solle, wenn ich einlaufe, "nur kurz anrufen", dann würde jemand kommen, um mir beim Anlegen zu helfen. Passt, denn alleine elegant und stylish am Steg mit Murings anzulegen, ist schwer bis unmöglich und für Hafenkino möchte ich auch nicht gerade sorgen.

Als ich in die Bucht einlaufe, hängen schon ein paar Yachten an den Bojen, die vor dem Steg ausgelegt sind. Wie vereinbart, rufe ich in der Konoba an! Niemand hebt ab! So arbeite ich mich durch das Gewirr von Schiffen und freien Bojen vor bis zum Steg und lasse mich davor treiben. Es ist wohl offensichtlich, dass ich anlegen will und ich mache mich auch durch Winken bei den auf der Terrasse der Konoba sitzenden Personen bemerkbar. Niemand will mir helfen! Ein Deutscher mit einer riesigen Motoryacht, der an einer der Bojen hängt, erkennt meine Lage und meint, ob er nicht sein Dinghy launchen, an Land fahren und meine Leinen entgegen nehmen soll! Doch ich winke ab!

Bin müde, total überhitzt, wieder mal sauer und entschließe mich an einer Boje anzulegen. Mein, wiederum äußerst elegantes Bojenmanöver, sowie die herrliche Bucht in der ich nun festgemacht habe, heben meine Stimmung jedoch bald wieder an.


Nachdem ich mich ein wenig abgekühlt habe, launche ich das Dinghy und setze zur Konoba über. Dort treffe ich auf eine Mostviertler Seglerpartie, mit der ich mich super unterhalte und einen langen, feucht-fröhlichen Abend verbringe.





07.06.2019 - Luka / Dugi Otok => Marina Veli Rat / Dugi Otok ... "Geduld ist eine Tugend"



Nach einer ruhigen Ankernacht und einem Frühstück mit Gugelhupf aus der Heimat, lichte ich um 08:55 Uhr den Anker und motore aus der Bucht. Draußen erwartet mich ein 1-2 Bft Lüftchen. Trotzdem setze ich die Segel. Heute habe ich nur rund 20 Meilen vor mir und bin zudem früh dran, also gebe ich mich mit 2-3 Knoten Fahrt zufrieden. Wir treiben zumindest in die richtige Richtung!

Auf Höhe von Brbinj mache ich nur mehr 1,5 Knoten im Schnitt. Überlege lange, ob ich den Motor starten soll, doch dann frischt der Wind wieder auf und ich kann die restliche Strecke mit guten 4-5 Knoten segeln. Geduld ist eine Tugend!

Um 16:09 mache ich an der Außenmole der Marina Veli Rat fest. Schön ist es hier. Irgendwie total verschlafen. Neben mir machen an diesem Abend nur 2 weitere Tageslieger fest. Es sind zwar schon ein paar Eigner auf ihren Yachten - vermutlich ob des Pfingstwochenendes - aber wenn sich 20 Leute in der Marina tümmeln, ist es viel!


Nachdem ich mich akklimatisiert habe, suche ich die Konoba LANTERNA auf. Sauteuer, aber zumindest ist das Steak von hervorragender Qualität.


Nachdem ich auch eine Runde durch "den Ort" spaziert bin, genieße ich im Cockpit von Tina einen herrlichen Sonnenuntergang. Dieser Moment, in dem die Sonne hinter dem Horizont verschwindet! Episch!






06.06.2019 - Marina Jezera => Luka / Dugi Otok ... "Die Rekordfahrt"

Um 08:55 werfe ich die Leinen los und breche zu meinem Kurztörn auf. Mein erstes Ziel soll die Ortschaft Luka auf der Insel Dugi Otok sein. Ich motore gegenan aus der Bucht von Jezera. Ich will nicht schon zu Beginn meiner Reise mühevoll aufkreuzen müssen. Als ich Rt. Rat querab habe, setzte ich die Segel. Das Groß sicherheitshalber im 2. Reff. Es sind wieder Böen bis 25 kts angesagt. Die Genua rolle ich voll aus. Zu diesem Zeitpunkt ist dieses Setup gut fahrbar!

Ein paar Seemeilen später haben Wind und Welle nochmal zugelegt, sodass ich nun auch die Genua zu 1/3 weggerolle. Ziemlich genau mittig im "Murtersko More", zwischen den südlichen Kornaten und der Insel Murter, beobachte ich eine 37er, wie sie auf Halbwind-Kurs gegen die See ankämpft. Frage mich, wie das wohl aussieht, wenn Tinas flacher Rumpf zwischen den Wellenbergen verschwindet. Man könnte wohl meinen, dass da ein Rigg alleine rumsegelt!


Der Südost-Wind wird begleitet von der entsprechenden See. Die Wellen sind zum Teil 1,5 Meter hoch und rollen unter uns durch, wobei sie Tinas Heck jedes Mal einen Deut versetzen. So geht es jedem Segelboot. Manche stecken das sogar viel schlechter weg als Tina, mit ihrem klassisch geformten Rumpf. Meine Segel dürften auch gut getrimmt sein, denn Tina findet fast von alleine ihren Weg durch die Wellen. Ray muss nur ganz wenig eingreifen.


So surfen wir vorbei an Zut und Sit und zwischen Lavandara und der Südspitze von Dugi Otok in Richtung Tagesziel. Es geht gut! Sehr gut sogar! Die ersten 35 Meilen segeln wir mit einem Schnitt von 5,03 Kts! Toll für die kleine Tina! Rekord!

3 Meilen vor dem Ziel. Ich will voll motiviert, die enge und seichte Durchfahrt zw. Rt. Grubac und dem Inselchen Luski nehmen. Da sind wir auch schon mal mit ner 46er durch! Doch heute ist bedeutend mehr Wind als damals! Ganz wohl ist mir dabei nicht. Ich habe ja schon so meine Erfahrungen mit den plötzlich auffrischenden und drehenden Winden in solchen Durchfahrten. So reffe ich schon weit vorher die Genua um ein weiteres Drittel. Mit nur einem Drittel der Genua und dem Groß im 2. Reff machen wir immer noch 5 kts in der 3-4er See! Eine Rauschefahrt!

Als ich die enge Durchfahrt querab habe, luve ich an und halte auf Halbwindkurs auf das "Nadelöhr" zu. Tina erreicht jetzt ihre Rumpfgeschwindigkeit (=theoretische Höchstgeschwindigkeit), was leicht daran zu erkennen ist, dass das Schiff dann leicht zu vibrieren oder beben beginnt. Mein Kurs ist gut! Ich halte perfekt auf die ca. 20 Meter breite fahrbare "Rinne", die mit 3 Meter Tiefe angegeben ist, zu. Doch je näher ich der Engstelle komme, desto mehr dreht der Wind und so finde ich mich bald in einer Situation wieder, in welcher ich IN, oder noch VOR der Durchfahrt eine Wende fahren müsste. Ich kann den Kurs nicht mehr halten. Tina hält wild krängend (sich auf die Seite legend) auf die Südspitze des Inselchens zu. Binnen Sekunden muss ich eine Entscheidung treffen. "Nein, das geht sich nie und nimmer aus!", fährt es mir durch den Kopf! So reisse ich die Pinne rum und falle auf einen Vorwind-Kurs ab, der mich von der Engstelle wegbringen soll. Oh, da ist ja auch noch die "Einzelgefahrenstelle" (ein Steinhaufen vor dem kleinen Inselchen, welcher mit einem entsprechenden Gefahrenzeichen gekennzeichnet ist) nördlich von mir! Shit! Jetzt wird's nochmal eng! Vor dem Wind, die Pinne zwischen den Beinen, rolle ich den letzten Fetzen der Genua weg. Als ich das Groß dicht holen will, dann der nächste Schock! Irgendjemand (ich!) hat vergessen einen 8-Knoten ins Ende der Großschot zu knüpfen. So konnte sich die Leine aus der Talje (ne Art Flaschenzug) ausfädeln. Toll, so habe ich noch zusätzlich eine Fleißaufgabe in dieser, ohnehin schon recht prekären Situation! Man bedenke: Ich befinde mich immer noch zwischen der Durchfahrt, dem Inselchen und der Einzelgefahrenstelle. So fahre ich das Groß mehr oder weniger "aus der Hand" bis ich arschknapp an den verdächtig braunen Flecken westlich des Einzelgefahrenzeichens vorbeigeschrammt bin. Dann fädle ich die Großschot wieder korrekt in ihre Talje und berge auch das Großsegel. Habe für heute genug von grober See, böigem Wind und engen Durchfahrten.


Die enge Durchfahrt umfahre ich diesmal. Tina würde sich mit ihrem 18 PS Motor vermutlich ohnehin feststampfen, was erneut zu einer brenzligen Situation führen würde. Als ich in die Bucht von Luka einlaufe, bläst es mir mit 25 kts direkt auf die Nase. Mit 2 Kts - mehr geht nicht - kämpfen wir uns Richtung Hafen! Ich will rein! Sicher liegen! Hoffentlich ist es dort ruhiger. Nordwestlich des Hafens ankern 2 Yachten. Ich entschließe mich das Ankerfeld zu inspizieren, bevor ich mir den Hafen ansehe. So tuckere ich zwischen den beiden Yachten durch, wobei mir der freundliche Schwede im Vorbeifahren schon Auskunft darüber gibt, dass der Grund hier gut sei (Schlick), wo sein Anker liegt und wieviel Kette er gesteckt hat. Sehr nett! Gegenüber des Ankerfelds wäre noch das "Buffet Allen", welches eine Mole mit Murings für 4 Yachten bietet. Notfalls könnte ich dort auch längsseits gehen, was in dieser Windsituation wohl das Beste wäre.

Aber zuerst der Ort. Je näher ich diesem komme, desto ungemütlicher wird es. Nicht nur, dass hier noch immer 25 kts stehen, es ist auch sehr laut und der Ganze Hafen wirkt wie eine Baustelle. Zudem pumpen die gerade durch riesige Rohre eine enorme Menge von irgendeiner Flüssigkeit ins Hafenbecken! Nein, das brauch ich nicht.

So rufe ich bei der Konoba an, erreiche jedoch nur eine Dame, die kein Englisch und nur sehr gebrochen Deutsch spricht! Ich kann ihr aber irgendwie vermitteln, dass ich mich auf dem kleinen Boot befinde, welches vor dem Restaurantsteg von Wind und Wellen durchgebeutelt wird. "Mann nicht da. Kommen in 10 Minuta". Neben der Konoba holzt jemand mit einer Motorsense das Gestrüpp nieder. "Das muss der Wirt sein! Der sieht mich sicher eh schon!" Ich klinke mich mit meiner Lifeline in den Jackstays ein, schlage Bug und Heckleine an und fendere das Boot steuerbordseitig, mit allem ab, was ich habe. 4 kleinere, 1 größerer und ein Kugelfender hängen an meiner Bordwand, bereit das Schiff gegen, in diesem Fall, die Betonmauer zu schützen. Das Schiff und ich, wir wären bereit längsseits, gegen die 25 Kts Wind am Steg anzulegen! Ich warte! Niemand kommt! Als ich mich 20 Minuten lang vor dem Steg abgequält habe reichts mir: "Dann fahr ich eben zurück und ankere! Sollen die ihr Essen behalten!"

So werfe ich meinen schweren CQR-Anker auf einer Tiefe von 8 Metern zwischen dem freundlichen Schweden und der kroatischen Herrenpartie und stecke 40 der 50, mir zur Verfügung stehenden, Metern, meiner 8 mm starken Ankerkette! Das sollte auf jeden Fall halten!



Uff, ganz schön stressig zum Ende des 1. Turntags! Dafür werde ich mit einem genialen Sonnenuntergang, sowie den wunderbaren Gesängen der kroatischen Herrencrew belohnt! Anfangs geben sie kroatische Lieder wieder. Mehrstimmige Gesänge, begleitet von einer Gitarre. Wunderbar, wie diese Melodien über die Bucht, hinein in den Sonnenuntergang getragen werden. Als sie auch internationale Songs anstimmen, bin ich hin und weg. Zu "No Woman - No Cry" singe ich lauthals mit und ernte dafür ein "Come over here!". Würde ich ja gerne, aber ich bin einfach zu geschafft um noch das Dinghy zu launchen und rüber zu rudern. So genieße ich noch eine Zeit lang den Gig der Kroaten und schmeiße mich dann in die Koje. Mittlerweile ist es fast windstill. Mein 25kg schwerer Anker ist gut im Schlick eingegraben und ich habe auch genügend Kette gesteckt! Ich fühle mich sicher und so falle ich schnell in einen tiefen Schlaf!



14.06.2019 - A sign of life

Ich sitze im Schatten der Kiefern im Strandcafe und gönne mir ein kühles Blondes. Habe den Nachmittag lesend am Strand verbracht. In den letzten Tagen hatte ich zu nicht viel Bock. Ich habe zwar bei gemessenen 35 °C im Bootsinneren und gefühlten 50 °C an Deck den 3fach-Fallenstopper ersetzt, den ich 2 Wochen zuvor ruiniert habe, sowie Tina und meine Klamotten gewaschen, aber sonst war ich zu nicht viel Produktivem fähig.


Dafür war ich täglich im Meer! Endlich ist der Sommer da. So gut wie jeder hier bestätigt mir, dass das heurige Frühjahr hier, das beschissenste seit langem war. Da habe ich mir ja genau das richtige Jahr für mein Vorhaben ausgesucht. Wie auch immer. Jetzt ist es schön! Schon fast zu heiß! Vielleicht macht mich das so lethargisch? Oder sind meine Batterien einfach leer?


Zuvor war ich 4 Tage alleine unterwegs. Ich wollte den Südost-Wind nutzen und mit diesem im Rücken, 2 Tage lang, soweit wie möglich nach Norden. Dann sollte der Wind auf Nordwest drehen und mich in weiteren 2 Tagesetappen wieder zurück nach Jezera bringen. So der Plan! Was genau in diesen 4 Tagen passiert ist, könnt ihr in den entsprechenden, folgenden Artikeln nachlesen. Endlich hatte ich wieder mal Bock, was zu schreiben


22.5.2019 - Dolphin-Watching im "Shabby Chic" Boot

Die letzten Tage waren recht ruhig. Habe primär darauf gewartet, mein Segel zurück zu bekommen, nebenher "Gewittersegeln" weiter gelesen, war in Tisno zum Abendessen und habe im Zuge dessen den genialsten Sonnenuntergang seit langem erlebt, hab Kleinigkeiten am Boot optimiert und in weiser Vorahnung, wieder mal Luka kontaktiert! Er kann mir die "Sailguards" bestellen, welche ich im Internet recherchiert habe und die in Zukunft meine Genua schonen, sowie besser "rum" gehen lassen sollen! UUUUND! Er hat natürlich auch eine Telefonnummer für mich! Von einem Typen, der bei einer Charterfirma tätig und im Zuge dessen, für die Wartung und Instandhaltung von 20 Segelbooten verantwortlich ist! Ich soll nur sagen, dass ich die Nummer von ihm habe, dann passt das schon!!! Cool! Eigentlich bräuchte ich ja nur jemanden, der mir hilft den Mast zu entern, um an den Oberwanten die Sailguards an zu bringen und Anker- sowie Dampferlicht zu ersetzen, aber wenn ich schon einen Spezialisten an der Hand habe, werde ich ihn bitten, gleich das ganze Rigg zu checken! Mir ist aufgefallen, dass, auf Am-Wind-Kursen, das leeseitige Oberwant backbords, sowie das luvseitige Unterwant steuerbords, je nach Winddruck etwas lose wird! Darf das sein? Das wär wieder mal ne Frage an die Segler/Rigger unter meiner Leserschaft! Please leave a comment ....


Heute Vormittag darf ich dann meine reparierte Genua wieder entgegennehmen. Schön hat sie das gemacht! Alles rundum sauber nachgenäht, einige Stellen verstärkt und das abgerissene Saumband wieder angenäht! Schaut super solide gemacht aus! Die Azur blauen Flicken auf Tinas riesigem Vorsegel, unterstreichen nun irgendwie ihren "Shabby Chic" Look! Ich bin zufrieden! Auch mit 600 Kuna, also 80 Euro als Gage! DANKE!

Zurück im Hafen schlage die Genua sofort an, zögere dann kurz, da eigentlich absolut kein brauchbarer Wind angesagt ist und der Stegnachbar auch meint, dass "jetzt der Sommer", also die windlose Zeit da ist, mache Tina dann aber doch klar zum auslaufen. Ich will testen, wie sich die neue Furlingleine (der Vorsegel-Rollanlage) auswirkt! Und außerdem war ich schon wieder viel zu lange nicht draußen! In den letzten Tagen hatte sich schon wieder eine Art Hafenkoller bemerkbar gemacht. 

Als ich Tina vom Landstrom trenne, beobachte ich einen der anderen Stegnachbaren, wie er ablegt und gleich nach der Hafenausfahrt die Genua setzt! Das könnte doch was werden! Und ja, auch mir ist es gewährt, gleich in der Bucht von Jezera die Segel zu setzen und mit angenehmen 4-5 Knoten gegen SSW zu segeln!



Ich versuche, so viel wie Höhe wie möglich zu machen, muss aber dann aber fast die Insel Kakan rammen, bevor ich wenden und gegen NNW, entlang der Insel Murter segeln kann. Ich will soweit es geht in den Norden um mich dann wieder zurück treiben zu lassen, also mit raumem Wind gemütlich heim zu surfen. Als ich 10 nautische Meilen auf der Logge habe, beschließe ich zu wenden und wieder zurück zu fahren. Das sollte sich schön ausgehen!


Es wird zäh! Der Wind schläft teilweise fast ein und ich treibe mit 2 Knoten gegen Süden! Trotzdem! Dem Ziel näher! Und eigentlich ist ja der Weg das Ziel! Ich bin ja deswegen hier, weil ich - primär - leidenschaftlich gern AUF dem Meer bin, nicht AM Meer, also im Hafen! Ich halte durch und starte den Motor NICHT! Wir eieren rum Rt. Rat rum und wieder passiert es, wie es passieren muss! Der Wind frischt, auf der Leeseite der Insel wieder ordentlich auf! Wie jedes Mal! Genial! Also kann ich auf Halbwind bis Am-Wind Kurs bis kurz vor Jezera segeln, bevor es mir dann doch etwas gewagt erscheint, in Mitten einer trainierende Segelschule mit rund 5 Booten, meine Fetzen zu bergen und ich diese somit schon rund 1 SM von der Hafeneinfahrt runterhole. Im Hafen freue ich mich über relativ unerwartete, sehr sehr geniale 17 Seemeilen!


Ach ja! Es haben mich wieder mal Delfine besucht! Zwar nur in ca 20 Metern Entfernung, aber trotzdem! Irgendwie scheine ich diese Meeresbewohner anzuziehen. Habe heuer schon 4 Mal mit ihnen Kontakt gehabt! Davon 2 Mal bei Einhandfahrten! Wahnsinn! Hätte mir vor 2 Jahren jemand gesagt, es würde so kommen, ich hätte es ihm nie und nimmer geglaubt!




18.5.2019 - Segeln mit der Familien-Crew / Das Mysterium des gebrochenen Genua-Falls

Bin nun wieder alleine auf Tina. Die letzten 3 Tage war ich mit der Familen-Crew unterwegs! Ja, ihr liest richtig! Wir waren UNTERWEGS! SEGELN! Endlich wieder raus!!! Bepo hat am Dienstag Nachmittag noch den Motor fertig Instand gesetzt! Da waren meine Eltern bereits hier in Jezera angekommen! Mann, warum muss immer erst alles auf den letzten Drücker fertig werden!? Immer dieser Stress!! Aber gut, dass das der Volvo-Penta nun besser denn je läuft und mir somit wieder das Verlassen der Marina ermöglicht! Welch Freude! Leider gab es gestern - gottseidank am letzten der 3 Segeltage - noch 2 Kollateralschäden an Tina, aber alles der Reihe nach:

14.5.2019
Bepo taucht den ganzen Vormittag nicht auf! Jetzt wird's aber knapp! Kurz vor Mittag kommen meine Eltern in Jezera an. Deren Apartment wird erst um 14 Uhr frei, also machen wir's uns auf Tina gemütlich! So gut das halt geht, wenn die Bora in Böen mit über 40 Knoten durch die Marina fegt.

Dann ist es 14:00 Uhr und meine Eltern beziehen ihr Apartment. Zur selben Zeit kommt auch Bepo, mit dem neu angefertigten Ersatzteil vorbei. Dieser passt perfekt! Der Motor läuft, verliert kein Wasser und pustet auch keine Abgase mehr bei der vorderen Einspritzdüse in den Motorraum. Somit sollte auch wieder volle Kompression haben! Genial! Danke Bepo! Was für eine Odyssee! 13 Tage war mein Motor nun "zerlegt"! Ab morgen kann ich endlich wieder raus! Die Freude ist übergroß!


Abends gehen wir ins "Arija". Thunfischsteak mit Buzzera Sauce! Lecker! Lange dauert der Abend nicht. Verständlich! Meine Eltern hatten eine kurze Vor-Nacht! Und ich bin auch nicht ganz fit! Just in dem Moment als wir den Motor zum Leben erweckt hatten, kam das Kopfweh! Ungutes Kopfweh! Migräne-artig! Wahrscheinlich die Anspannung, ob der Odyssee mit dem Motor, die abfällt von mir ...

15.5.2019

Am Morgen stößt nun auch mein Bruder zu uns! Er hat sich in einer Nachfahrt nach Jezera gekämpft um bei der ersten Familienausfahrt dabei sein zu können! Schön! Nach einem gemeinsamen Frühstück im Apartment der Family, gibt's an Bord von Tina zuerst mal eine Sicherheitseinweisung, so wie es sich gehört. Danach legen wir überraschend elegant ab. Endlich wieder raus auf's Meer! Der Motor scheint nun wirklich etwas mehr Schub zu entwickeln! Fühlt sich bei Hafenmanövern durchaus stärker an!


Leider haben wir nur eine leichte Brise. Aber eigentlich ist das eh perfekt! So kann sich die Crew - allesamt Landratten - an das ungewohnte Geschaukle gewöhnen. Wie setzen die Segel, als wir Rt. Rat querab haben! Obwohl Tina's weit überlappende Genua, in Verbindung mit dem Babystag, das Wenden zwar recht mühsam macht, vor allem bei Leichtwind, laufen die Segelmanöver verhältnismäßig gut ab. So segeln wir an diesem Tag 17,6 Nautische Meilen zwischen den Inseln Murter, Kaprije und Kakan rum. Abends dinieren wir hervorragend in der "Zlatna Skolja", dann fallen alle müde ins Bett, bzw. ich in meine Vorschiffskoje.

16.5.2019
Schon in der Früh, erwartet uns draußen vor der Hafeneinfahrt ein toller Segelwind! Ich schätze mal so an die 15 Knoten - Windmesser habe ich ja keinen mehr, seit dieser unlängst, beim Versuch die Stärke, der auf Tina eindreschenden Böen zu messen, den Geist auf gegeben hat. Volles Tuch! Das geht! Und wie! Tina schneidet auf am Wind Kurs, sauber durch die "Welle". Dabei läuft sie echt schön neutral, ohne übermäßigen Ruderdruck! Toll!



Zu Mittag entschließe ich mich, Tina "beizulegen" (Klingt schmutzig, aber wie sagt man sonst dazu, wenn man das Manöver "Beiliegen" durchführt?!) Dabei werden Segel und Ruder so gestellt, dass das Schiff im Endeffekt recht stabil und ruhig, quer zu Wind und Welle zum liegen kommt. Tina kann das sehr gut! Viel besser als so mancher aktuelle Kurzkieler.

Auf dem "Rückweg" fordert uns ein Raum-Wind-Kurs, in Kombination mit nachlaufender Welle, schräg von hinten, aber auch dieser wilde Ritt kann meiner überraschend wackeren Crew nichts anhaben! Vor Allem meine Mum, ihreszeichens Nichtschwimmerin und eine, der schon beim Autofahren schlecht wird, hätte ich nicht als so "seefest" eingeschätzt! Super!

Abends fahren wir nach Murter und besuchen die Konoba "Boskin skver", das Restaurant von Bepo's Frau! Wir werden absolut nicht enttäuscht! Sehr gutes Essen und wirklich ein sehr schönes, mit Liebe zum Detail hergerichtetes Lokal! Ich komme sicher wieder!

17.5.2019

Frühmorgens muss mein Bruder abreisen. Meine Eltern verlängern um einen weiteren Tag! Haben sie sich nun auch mit dem Segelvirus infiziert? Auf jeden Fall freut es mich unheimlich, dass alle solch einen Gefallen an meiner Leidenschaft finden!

Als wir aus der Marina auslaufen, haben wir NULL Wind! OK, in Böen vielleicht 2 Knoten! Auf jeden Fall zu wenig, um die verhältnismäßig schwere Tina in Fahrt zu bringen. So motoren wir gen Süden. Wenn eh kein Segelwind ist, so will ich den beiden wenigstens ein wenig der wunderschönen Dalmatinischen Küste zeigen. Gleich nach der Hafenausfahrt übergebe ich die Pinne meiner Mum, welche uns super zwischen den Insels Logorun und Tijat hindurch und vorbei an Prvic und Lupac, steuert! Sie findet anscheinend Gefallen am "Ruder-Gehen" und will die Pinne erst aus der Hand geben, als wir kurz vor dem Einlaufen in den Sv. Ante Kanal sind. Ist doch eng dort! Und auch viel Verkehr! Da steuere ich lieber selbst durch!


Nachdem wir eine Runde vor Sibenik drehen, wollen wir wieder zurück durch den Kanal, raus auf's "offene Meer". Schon im Kanal bläst uns ein guter Wind entgegen! Das könnte nochmal was werden mit dem Segeln! Und wird es! Als wir Lupac erneut passieren, haben wir genug Höhe gewonnen, setzen die Segel und kreuzen gen Nordwesten, zurück nach Jezera.


Doch dann ... Als wir westlich von Prvic einen Holebug fahren wollen, bleibt das Achterliek der Genua an irgendwelchen Haken - Gott weiß wofür die mal bestimmt waren - an der Saling hängen, was zur Folge hat, dass das Segel auf ca. 50 cm entlang des Achterlieks aufreisst! Autsch! Der nächste Schaden! Das Wenden wird fortan zur Tortur! Bei jeder Richtungsänderung hechtet mein Papa nach vorn um das Segel um die gefährlichen Stellen - jeweils 40 cm eingerückt von den Saling-Nocks - rum zu führen, sodass es nicht erneut hängen bleiben kann. Das klappt leider nur mäßig. Ich muss mehrere Male den Motor anwerfen, um Tinas Bug, zurück durch den Wind zu bringen, damit Papa das Segel schnell befreien kann, sodass es nicht noch weiter aufreißt. Trotzdem kommen wir unter Segel bis in die Bucht von Jezera! Super! Hätte nicht damit gerechnet heute auch noch segeln zu können!!!!

Zurück im Hafen wollen wir die Genua abschlagen, damit ich sie zu einem Segelmacher bringen, bzw. selbst reparieren kann, sollte ich kurzfristig keine externe Hilfe auftreiben können. Als ich das Segel ausrolle, rutscht es plötzlich runter auf's Deck! Hey! Hat da jemand das Genuafall frei gemacht? Nope! Ist noch immer belegt, aber kein Zug drauf. Ich blicke nach vorne und kriege einen dezenten Schock! Da ist doch tatsächlich das Fall, also jenes "Seil", mit welchem man das Segel hochzieht, gerissen! Eine 10 mm dicke Leine!


Uff! Wie kann das sein? Das muss schon draußen, beim Segeln gerissen sein! Doch, warum ist es dann nicht schon auf See runter gekommen? Hat es allein der Winddruck, den wir durch unsere permanenten Am-Wind oder Halbwind-Kursen in den Segeln hatten, davon abgehalten auf's Deck zu stürzen? Anders kann ich mir das nicht erklären! Aber, warum blieb dann es auch noch oben, als wir auf Raum-Wind Kurz gingen um es zu bergen? Und überhaupt! Hätte das Vorliek nach dem Riss des Falls nicht zumindest Falten machen müssen? Hmmm .... An die Segler/Rigger in meiner Leserschaft: Was meint ihr dazu? Habt ihr eine Erklärung darfür? Please leave a comment .....

Die gerissene Genua und das gebrochene Fall können uns die gute Laune nicht verderben - es ist alles irgendwie zu richten - so lassen die 3 genialen Segeltage in der "Zlatna Skolja" ausklingen. Der Inhaber/Küchenchef ist echt ein wahrer "Maestro"! Wieder werden wir zu einem mehr als fairen Preis auf's Allerbeste bekocht und aufs Allerherzlichste bewirtet!

Schön war's! Es waren wirklich 3 tolle Segeltage! Trotz der Schäden, die wir dabei erlitten haben! In 20 Stunden haben wir 65 Nautische Meilen (= 120 km), davon 50 NM (= 92 km) unter Segel zurückgelegt! Ich bin mehr als zufrieden!!!!!!

18.5.2019

Recht motiviert, hechte ich noch vor dem Frühstück an Deck um die Genua-Rollanlage zu inspizieren und alles für den Tausch der Furling-Leine herzurichten. Es kostet mich einiges an Nerven, das Ende der Leine aus der Trommel rauszukitzeln - ich will das Teil nicht komplett zerlegen müssen - aber letztendlich bin ich erfolgreich.

Gerade als ich fertig bin, entert der Liegeplatz-Nachbar sein Schiff und wir kommen, "Cockpit an Cockpit", groß sind unsere Schiffe ja nicht, ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass es sich um den erst seit 2 Monaten "pensionierten" Schi-Rennläufer, Natko Zrnčić-Dim handelt! Er hat das Boot, welches seit 30 Jahren im Familienbesitz ist, erst von seinen Eltern übernommen segelte aber schon 30 seiner 33 Lebensjahre! Wahnsinn so klein ist die Welt! Sehr netter Typ! Ich hoffe ich bin dann noch da, wenn er "im Sommer" wieder kommt! Die Einladung auf ein Bier stehr auf jeden Fall!

Dann fahre ich zum Nautic Shop, um eine neue Furling-Leine zu besorgen und mal zu fragen, ob die dort einen Segelmacher kennen, der mir meine Genua nähen kann. Lukas Kollege meint, ich solle in der Schiffswerft in Betina fragen. Dort gäbe es einen Shop, der Segel-Reparaturen anbietet. Die bieten dann doch keine Näharbeiten an, aber meinen, ich solle im Shop gegenüber des Marina-Eingangs fragen. Hier bekomme ich aber auch nur eine Nummer, die, wie sich herausstellt, einem Segelmacher aus Sibenik gehört. Dieser meint, er rufe mich in 10 Minuten zurück. Ich warte 1 Stunde. Er ruft nicht zurück! Ich bin sauer! Kaufe mir erstmal Segel-Reparaturband. Denk mir: "Zur Not flick ich den Fetzen vorerst selbst!" Segelmacher-Garn kann ich jedoch nirgends auftreiben. Hmmm ....

Eigentlich rechne ich diesmal nicht damit, dass Luka jemanden kennt, der mir aus der Patsche helfen kann, aber ich probiere es trotzdem und rufe ihn an. "Klar! Ich kenn da eine Frau in Murter. Die kann das schnell erledigen!", meint er! Echt jetzt? Super! Ich telefoniere mit der Dame, und wir vereinbaren einen Übergabeort für die Genua. Bis Anfang nächster Woche soll mein Segel wieder in Ordnung sein! Genial! Luka hat es wieder mal eingefädelt! Ich weiß echt nicht, wie alles hier verlaufen wäre, hätte ich ihn nicht kennengelernt! Ich bin echt ein Glückspilz!

Das motiviert, die Furling-Leine zu erneuern. Sieht doch ordentlich aus, oder? ;)










13.5.2019 - The "Volvo-Penta Odyssey" continues ...

In den letzten Tagen hatte ich irgendwie kein Lust zu Schreiben. Es war alles recht zäh und eine echte Geduldsprobe für mich. Trotzdem konnte ich mich recht gut motivieren. So ist wieder sehr viel geschehen und ich freue mich, die nächsten Tage meine Eltern ein wenig rumschippern zu dürfen. Über heute hab ich wieder ein bisserl ausführlicher zu berichten, aber alles der Reihe nach:

10.5.2019

Warte immer noch auf Bepo, der Ersatzteil hätte gestern geliefert werden sollen. Doch mein Mechaniker kreuzt nicht auf, so beschäftige mich den ganzen Tag mit Kleinigkeiten am Boot und höre Hörbuch. Abends gehe ich ins Restaurant Arija und esse ein vorzügliches, mit dalmatinischem Rohschinken und Pager Käse gefülltes Roastbeef mit einem riesen Haufen Djuvedj. Die Küche hier entschädigt echt für das schlechte Wetter und die ganzen Probleme mit dem Schiff!
Ich komme mit der Wirtin ins Gespräch! Sie sitzt im Wintermantel auf der Terrasse und meint, dass ich mir das falsche Jahr für mein Vorhaben ausgesucht habe. Letztes Jahr um diese Zeit wäre man schon schwimmen gegangen. Autsch!

11.5.2019

Noch immer warte ich auf Bepo. Gegen Mittag reißt mir die Geduld und ich rufe ihn an. Er meint, es tut ihm leid, aber er habe am Freitag vergessen, das Teil zu holen und die Volvo-Penta Vertretung sei am Samstag, also heute, bereits geschlossen. Shit! Geh bitteeeeee! Das darf aber jetzt nicht wahr sein! Ich wollte doch die einzigen schönen Tage in dieser Woche mit zumindest ein paar Segelmeilen genießen bevor es wieder los geht. Aber Bepo verspricht mir, dass ich am Montag in der Früh "gleich der Erste" bin und das Ganze in einer halben Stunde erledigt sein wird.

OK, also versuche ich mich, in Aussicht auf weitere 2 Hafentage bei schönstem Segelwetter, zu beruhigen, indem ich Sachen am Boot erledige. Fixiere das Groß mittels Marschlag am Baum.
Verschaffe mir endlich einen Überblick über das Wassersystem an Bord. Spannend! "Erfinde" aus Kabelbindern und Plastikhaken eine saugeile Halterung für meine Cockpittasche. Schaut gut aus, hält bombenfest!


Probiere den neuen Pinnenpiloten Raymarine ST2000+ aus. Plug and Play! Dieser wird aufgehoben. Vorerst soll der alte "verbraucht" werden. Jetzt funktioniert er ja wieder. Ich richte auch den Spi-Baum her. Versehe ihn mit einer Auslöseleine, sowie je einem Hahnepot für den Niederholer und den Toping-Lift! Ich denke das sollte so passen!? Schieße die Leinen am Mast neu auf usw. usf.

12.5.2019

Dauerregen schon am Morgen, also entschließe ich mich nach Sibenik in den nächstgelegenen Self-Service Waschsalon zu fahren und auf dem Rückweg ein paar Spots am Fluß Krka auszukundschaften, die man anlaufen könnte. Verbringe 1,5 Stunden im Waschsalon beim Busbahnhof.


Lerne 2 Amis auf Europa-Rundreise und einen Australier, der ein Stück Land in Kroatien geerbt hat und sich jetzt hier einzugewöhnen versucht, kennen. Laufe das Einkaufszentrum Dalmare an. Erstehe 2 Isomatten, die ich für Tinas Cockpitbänke zuschneiden möchte. Fahre dann Zaton und Raslina an. Zaton ist ne schöne Ortschaft in einem Seitenarm der Krka gelegen. Raslina hat irgendwie kein Zentrum. Sieht nach einer Art Feriensiedlung aus, ist aber auch nett. V.A. der kleine Arm nördlich der Ortschaft sollte schön zum ankern sein.

13.5.2019

Um 10:30 Uhr treffe ich mich mit Bepo in Murter. Gemeinsam wollen wir die Volvo-Penta Vertretung aufsuchen und stehen vor verschlossenen Türen! Alteeeer! Dabei hat Bepo doch angerufen, dass wir kommen. Er tätigt einen weiteren Anruf und ich gebe eine Zigarette aus, während wir auf den Shop-Betreiber warten. Dieser kommt per Fahrrad und übergibt uns das bestellte Teil! Dann der nächste Schock! Das vordere Ende des Originalteils, dort wo es am Dieselfilter angeschraubt ist, sieht verdammt anders aus, als das des alten, geflickten Teils. Da ist wohl ein ursprüngliches 6er Loch auf ein 8er aufgebohrt worden, wie es scheint! Fuck! Was tun um das nun passend zu machen!? Das neue, 280 Euro teure Originalteil aufbohren und riskieren, es dabei zu beschädigen? Neues "Housing" für den Dieselfilter?! Dauert mir ganz sicher zu lange, das Teil wieder aus Belgien liefern zu lassen, aber der Volvo-Mensch befragt das Internet. Gibt es ohnehin nicht mehr! Produktion eingestellt! Alteeeeeeeer?! Also bleibt uns nichts anderes übrig, uns in dieser Angelegenheit selbst zu helfen. Wozu sind wir "Seeleute"? ;)

Wir fahren zurück zu Tina, um uns das Ganze in Ruhe nochmal anzusehen! Vielleicht gibt es ja eine andere Möglichkeit, als den Neuteil zu "zerstören"! Und ja! Die gibt es! Wir entschließen uns, die "Kopfschraube" des Dieselfilters, also dort wo die Überdruckleitung in diesen zurück geht, das Teil, dass der Vorbesitzer - schön langsam könnt ich diesen "Mechaniker" echt verfluchen - verpfuscht hat, neu anfertigen zu lassen und suchen auch gleich einen Werkzeugmacher auf, der mir das Teil bis morgen anfertigen wird! Puh! Schwein gehabt?! Ich bin mir nicht so sicher, ob das, wie von ihm prognostiziert über die Bühne gehen wird, aber Bepo meint, er komme morgen dann mit dem Teil im Gepäck vorbei und baut alles zusammen! Schauma mal ... Ich liefere ihn wieder zu Hause ab und erfahre, dass seine Frau eine Konoba betreibt. Kleiner Familienbetrieb! Sie, Schwester und Bruder?! Irgendwie so! Auf jeden fall cool! Werd ich sicher mal aufsuchen! Vielleicht schon in den kommenden Tagen, wenn meine Eltern, sowie mein Bruder zu Besuch kommen werden.

Am NM muss ich meiner Anspannung, ob denn der Motor nun wirklich fertig wird, bis ich die "Crew" begrüßen darf, luft machen, so putze ich das ganze Schiff zum wiederholten Male gründlich durch. Ich wische im Vorschiff alle Stauräume bis zur untersten Bilge nochmal raus und poliere alles Holz in Tinas Bauch. Fesch steht sie da, die Tina! Wenn jetzt ihr kleines britisch-schwedisches Volvo-Penta Herzerl noch schlagen würd und der Wind nicht gar so arg wär, wär alles Klass'!

22:30 Uhr: Es weht wieder ordentlich. Stärker als zuletzt bei Jugo! Die Bora trifft Tina immer besonders hart in ihrem Liegeplatz. Wind genau von achtern, also hinten! Das Schiff hängt in den alten, harten Murings (dicke Taue), die an den Klampen knarzen. Vorhin war ich nochmal draußen um die Gangway zu sichern und die Genuaschoten dichtzuholen, die grässlich in den Umlenkblöcken knarzten. Wollte den Wind messen. Mein kleines Handwindmessgerät zeigte leider zuerst nur irgendwelche Striche und Punkte, dann schließlich gar nix mehr! Klump! Naja, Werbegeschenk von Compass! Trotzdem! Hey, ein maritimer Windmesser sollte doch auf ein wenig mehr an Wind ausgelegt sein, oder?

Die Böen krängen Tina (neigen sie zur Seite) teilweise so sehr, dass ich, wäre ich auf See, schon längst das eine oder andere Reff eingelegt hätte. Nur haben wir aber kein Tuch oben! Allein das Rigg, also der Mast und die Wanten und Stage (Drahtseile die den Mast stützen) bietet genug Angriffsfläche für den Wind! Wie wird das erst morgen, wenn der Wind nochmal zulegt? Wie wird es meinen Eltern ergehen, die sich morgen durch Regen und Sturm zu mir durchkämpfen? Ich hoffe echt, die Maslenica Brücke wird nicht gesperrt und sie kommen save hier an! Die Bora kann so Einiges und für das Gebiet, welches sie durchfahren - gottseidank per Auto - sind an die 60 Knoten Wind angesagt!  




9.5.2019 - Takling-Arbeiten in Mitten einer Ragatta?!

Eine unruhige Nacht! Lange werde ich von Böen wachgehalten, die uns wieder mal ordentlich durchbeuteln um kurz nach 3 Uhr von Starkregen geweckt zu werden. Liege eine Zeit lang wach und beobachte die Geräusche, die das Wasser macht, wenn es auf Tinas Deck und gegen ihr "stehendes Gut", also alles was Tina an metallernem Rigg zu bieten hat, prasselt.  Wie so oft, vermeine ich Wasser innerhalb von Tina "laufen" oder tropfen zu hören. Ein kurzer Check genügt auch diesmal, um festzustellen, dass es nur(!) ins Auffang-Gefäß neben dem Vorschiff-Bullauge an Backbord tropft. Ich habe, trotz mehrmaliger Checks auf potentielle Leckagen, leider noch immer keine Ahnung, woher das Wasser von oben kommt!?!?! Trotzdem! Ungut! Irgendwann schlafe ich dann doch recht unruhig weiter …

Vormittags ziehen noch einige Schauer über uns. Weiterhin ist es recht böig! Grausig! Ich verlasse Tina lediglich um einkaufen zu gehen. Brauche Brot, Wasser und etwas Süßes für das Frühstück um mich bei Laune zu halten - an diesem, meinem am 9. Hafentag in Folge! Es droht der Lager- bzw. Hafenkoller!

Ich höre eine Zeit lang das neue Hörbuch, welches ich mir heute noch downgeloaded habe. Das wird mir, obwohl die Geschichte einer Blauwasser-Reise mit jäh-unangenehmem Ende, recht spannend und gut geschrieben ist, dann aber irgendwie zu langweilig. Ich muss was tun! Entschließe mich, die Enden der neuen Reffleinen in den Salon runter zu werfen, damit ich sie dort, im Warmen, mit je einem Takeling versehen kann (Ich habe sie vorgestern etwas übereilt angeschlagen. Wollte einfach sehen, ob alles so läuft wie gedacht). Draußen ist es mir zu unangenehm für diese Arbeit, außerdem funktioniert das mit dem "Verschmoren" der Enden mittelt Feuerzeugs, in der Windstille des Salons weitaus besser, als im windigen Cockpit!



Da das recht gut funktioniert, und ich ohnehin auf Bepo, meinen Mechaniker warten muss, versehe ich auch die Enden meiner, bis dato, zugegebener Maßen recht lieblos angebrachten Fenderleinen, je mit einem Takling! Insgesamt 14 Stück fertige ich an diesem Nachmittag an. Was täte ich sonst, zum Warten gezwungen!?


Bepo kreuzt nicht auf! Vermutlich wurde das Ersatzteil nicht geliefert! Sonst wäre er gekommen! Ich denke, er will die "Baustelle" hier auch abschließen! So wie ich! Falls ich morgen Mittag noch nichts von ihm gehört habe, werde ich anrufen! Es heute zu tun, erscheint mir zu "sekkant"!

Ich entschließe mich, wieder die paar Schritte zum Restaurant "Zlatna Skolija" zu gehen um dort meinen Bärens-Hunger zu stillen! Habe mir heute lediglich eine "Dalmatinska Juha" (Dalmatinische Packlerlsuppe) gemacht. Die war zwar gut und ich habe sie, in einer Geduldsarbeit mit den, mir zur Verfügung stehenden Mitteln, wieder mal ohne Überkocken hinbekommen. Trotzdem. Ich habe Kohldampf!!! Aufs wiederholte Mal freundlichst empfangen, entschließe ich mich, mir ein Steak mit hausgemachter Pfeffersauce und Pommes zu gönnen. Wie könnte es anders sein!? Ich werde nicht enttäuscht! Genialst! Also entweder der kocht wirklich so gut, oder "derr Hungerr isch derrr besccchte Koccccch!", wie der alte Osttiroler Bergführer mal, im Zuge einer Brotzeit-Unterhaltung auf 2300 Meter Seehöhe, gemeint hatte. Wie auch immer! Es war großartig!


Ich interviewe den Wirt noch bzgl. der offensichtlichen Events, die hier im Gange sind. Seit vorgestern trudeln nämlich immer mehr 14-18 Fuß Boote per Anhänger hier ein, werden aufgeriggt, zu Wasser gelassen, probegesegelt und Reih und Glied im Stadthafen abgestellt! Vornehmlich Slovenen, aber auch Deutsche, Tschechen und Österreicher. Eine Regatta? Er weiß es auch nicht, befragt aber einen Mann, der eben an der Wirtshaus-Terrasse vorübergeht, zwar nicht so aussieht, sich aber auszukennen scheint! Offensichtlich ist wirklich eine Regatta im Gange. Inkl. einem 24 Stunden Rennen. Cool! Das mit diesen, mehr oder weniger offenen, recht nass zu segelnden Booten!? Bei diesen Temperaturen?! Cool! So scheinen die Jungs und Mädels auch zu sein! Ich habe ein paar von ihnen, von Tinas Cockpit aus beobachtet, wie sie mit vollem Tuch die enge Hafeneinfahrt reinkreuzten! Sportlich! Respekt!

20:30 Uhr: Himmel ausgeputzt! Windstill! Wir haben das Schlechtwetter hinter uns. Die nächsten beiden Tage sollen gut werden:




8.5.2019 - Na dann halt mal im Hafen, rauf mit den "Fetzen"!

08:30 Uhr: Windstille! Es ist sonnig und warm! Endlich mal wieder! Ich kann schlechtem Wetter zwar gut an, schließlich zählt 1. die Einstellung und 2. gibt es entsprechende Kleidung, aber hey, jetzt wird es aber echt mal Zeit für ein wenig Frühsommer!!! Durch das geile Wetter zusätzlich motiviert hechte ich noch vor dem eigentlichen Frühstück (die 3 Kaffee brauche ich dann doch, um meinen Motor hochzufahren!) an Deck! Heute kann ich das Großsegel hochziehen um die geänderte Leinenführung der Reffs zu checken! Läuft alles super! Freude! Da ich den Fetzen schon oben habe, lege ich auch nacheinander die beiden Reffs ein und mache mir auf dem Groß-Fall entsprechende Markierungen, die mir in Zukunft anzeigen sollen, wie weit dieses zu fieren ist, damit ich die entsprechende Reffreihe bedienen kann.

Außerdem optimiere ich noch die Führung der Genua Furling-Leine. Diese läuft jetzt auch noch einen ticken besser zurück ins Cockpit, was mir das Einholen des Vorsegels nochmal ein wenig erleichtern sollte!

Zumindest im Hafen mal wieder Segel gesetzt (Tina mit 2. Reff im Groß, sowie mit voller Genua):
 


Segeltechnisch sollte Tina nun fit sein! Bleibt zu hoffen, dass morgen, der, seit letztem Freitag bestellte Ersatzteil geliefert und auch montiert wird! Bis jetzt sagen die Wetterdienste nämlich noch passables Wetter für Freitag und Samstag voraus und ich will nun endlich mal wieder RAUS!!!

Für die Kulinariker unter meinen geneigten Lesern:

Nachdem ich gestern durch Zufall im Restaurant Zlatna Skolijka gelandet bin und dort das wohl allerbeste Cordon-Bleu vom Kalb meines Lebens gegessen habe, statte ich heute dem Nachbarn, der Pizzeria Toni, einen Besuch ab und werde nicht enttäuscht! Pizza Ruccola at it's best! Kulinarisch gesehen also auch alles im grünen Bereich hier!

Bezahlt hab ich heute 85 Kuna (= € 11,50) für ne leckere Pizza und ein Bier und gestern 115 Kuna (= € 15,50) für ein riesiges, echt zartes und geschmacklich hervorragendes Cordon-Bleu mit Pommes und 2 Fassbier! Zur Freude aller Biertrinker und Kaffeetanten (ich bin zugegebener Maßen beides) sind die diesbezüglichen Genussmittel übrigens echt sehr günstig hier! Thank God! Ich habe noch KEIN Bier (egal ob vom Faß oder from the bottle) über 20 Kuna, also € 2,70 erstehen müssen! 15-16 Kuna, also ein weinig über 2 Euro für ein großes Bier, ist hier so der Normalpreis! Beer-Drinkers Paradise! :)

7.5.2019 - The "Junior-rigger" / Test-hoisting the Storm-Jib

Heute feiere ich quasi einen "Runden" - meinen 50. Tag auf Tina! Und, wie passend, meint es der Wettergott auch wieder gut mit mir.

Gestern schon hat es aufgehört zu Regnen. Aber Wind gab's dann doch noch jede Menge. Kalten Nordost! Bora halt! Somit hatte ich keine Lust, irgendwas an Deck zu tun und mir dabei den Arsch ab zu frieren und habe stattdessen Luka besucht, um ihm, als Dankeschön für seine großartige Hilfe, einen kleinen Geschenkskorb mit Produkten (u.A. natürlich Biere) aus der Heimat zu überreichen.

Zurück auf Tina hab ich dann, nach langer Zeit wieder mal meine Gitarre ausgepackt und ein wenig geübt. Mann, bin ich eingerostet! Ich hoffe ich komme in den nächsten Wochen/Monaten wieder mehr dazu zu üben! Überhaupt, sollt ich wieder mal mein Repertoire erweitern. Mein "Programm" wird mir schon langsam etwas fad! Vielleicht ist, wenn neue Nummern mit ins Spiel kommen, dann auch wieder mehr Anreiz zum Üben da!? Mal sehen …

Kurz überlege ich noch, angesichts meines und Tinas Jubiläums heute nochmal alle Viere gerade sein zu lassen und zu faulenzen, aber dazu war ich in den letzten Tagen ohnehin gezwungen. Nein! Ich will endlich wieder was weiter bekommen! Heute mache ich Ernst, mit den anstehenden Arbeiten an Deck!

Zuerst befreie ich Tina von ihrem "Regenverdeck". Es sollte bis Donnerstag trocken bleiben und das Teil ist 1. hässlich, 2. ist es irre umständlich durch das Leinengewirr ins Cockpit zu gelangen und 3.  brauche ich Platz zum Arbeiten.


Dann will ich die Reffleinen erneuern! Dazu muss ich das neu erworbene "laufende Gut" irgendwie durch den Baum bringen. Das geht am Besten, in dem man dieses mit den alten Leinen verbindet und damit durchzieht, lese ich im Internet nach. Nur darf die Verbindung keinesfalls aufgehen, sonst ist man, auf gut Österreichisch "im Ar*** daham" und es darf auch nicht geknotet werden, damit alles gut durch die engen Führungen rutschen kann! Ich entschließe mich, die beiden Leinenenden zusammenzunähen, was recht gut klappt. Das Segelgarn hält bombenfest!


So ist es dann doch nicht mehr so ein großer Nervenkitzel, die Leinen durchzuziehen, wie angenommen! Danach lenke ich die beiden neuen Reffleinen ins Cockpit um. Ich habe sie extra entsprechend lange genommen! Dafür nutze ich die je 2 freien Plätze an der Decksumlenkung sowie am steuerbordseitigen 3fach Stopper, wo bisher nur das Großfall geführt wurde. Am Mastfuß installiere ich 2 zusätzliche Blöcke. Schaut schon mal super aus und sämtliche Leinen laufen super easy! Passt! Ich bin zufrieden!


Da ich kein Einleinen-Reffsystem habe, muss ich zwar immer noch zum Mast um die entsprechende Reffkausch einzuhaken, aber ich kann zumindest die beiden Reffleinen und das Großfall vom Cockpit aus durchsetzen! Zudem habe ich im Cockpit, im Gegensatz zum Mast auch selbstholende Winschen. Das sollte das Reffen nun um einiges erleichtern und vor allem sicherer machen!

Nach diesem, meinem ersten Erfolg als "Junior-Rigger" mache ich mich daran, die mit Tina mitgekaufte Sturmfock Probe zu hissen. Das Teil ist zwar, wie Tina, 35 Jahre alt, aber noch gänzlich unbenützt. Ja, ich denke, das Segel wurde noch nicht einmal ausgefaltet, in all den Jahren!  Es windet noch immer ordentlich, also bereite ich noch im Schutze des Cockpits alles vor. Ich krame passende Schoten aus der Backskiste und div. Schäkel aus meiner Ersatzteilbox. Dann schleppe ich alles aufs Vorschiff und lege los.

Da ich kein Kutterstag oder 2. Vorstag habe, verwende ich Spi-Fall 1 als Vorstag. An diesem schlage ich die Sturmfock mittels Stagreitern an und ziehe sie mit dem Spi-Fall 2 hoch. Die Schoten führe ich durch die vorderen Cars! Der Holepunkt passt perfekt! OK, das aus dem Spi-Fall 1 kreierte Behelfs-Vorstag könnte noch etwas besser durchgesetzt sein, aber im Prinzip schaut das schon mal recht gut aus und müsste funktionieren! Wieder bin ich bin zufrieden!

Tina mit gehisster Sturmfock. Die Genuaschoten werden im Ernstfall natürlich weggenommen. Das war mir für den Test zu viel Arbeit ;)


Leider habe ich noch 2 weitere Hafentage vor mir! Am Donnerstag wird angeblich der Ersatzteil geliefert und hoffentlich auch gleich verbaut, denn Freitag/Samstag sollte das Wetter noch halbwegs passen um auszufahren. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, zumindest ein paar Meilen segeln gehen zu können, bevor am Sonntag schon wieder das nächste Tief über uns ziehen wird.

5.5.2019 - Im "Auge des Zyklons" ;-)

Da Sonntag ist und ich gestern doch noch lange mit Schreiben (und auskurieren, also Tee mit Rum trinken) verbracht habe, schlafe ich heute mal so richtig aus! Erst um halb 10 Uhr krieche ich aus meiner Koje und beginne den Tag, wie üblich, mit dem Check der neuesten Wetterdaten, begleitet von einer Hand voll Espressos. Obwohl ich, nach nur 2-tägiger Rum-Kur, erstaunlicher Weise wieder recht fit bin, komme ich irgendwie nicht in die Gänge. Vielleicht weil es gar so ruhig ist?! Die Marina ist wie ausgeputzt! Keine Menschenseele zu sehen! Sind die alle vor der Schlechtwetterperiode geflüchtet? Zudem steht jetzt feucht-warme Luft bleiern schwer in der Bucht. Der Wind hat sich komplett gelegt und es ist nun drückend schwül geworden. Eine irgendwie fast ein wenig bedrückende Szenerie. Kurz kommt mir in den Sinn, ich könnte mich nun "im Auge des Zyklons" befinden. Ich muss lachen! Ja, im Prinzip befinde ich mich "im Auge" eines Tiefs (welches, in Meteorologen-Kreisen, in der Tat "Zyklon" genannt wird) und kriege dessen Front ab, aber irgendwie klingt das dann schon ein wenig zu dramatisch für ein kleines Adria-Tief.


Gegen Mittag räume ich dann doch die Backskiste aus, entsorge wieder einiges an unnötigem Kram und starte einen neuerlichen Versuch, diese mit einer Art Ordnungssystem zu versehen! Klappt wieder nicht! Zwar wird der Stauraum mit jedem Mal Durchräumen sukzessive ordentlicher, aber ich bin bei weitem noch nicht zufrieden!



Ich kann, nach getaner Arbeit, gerade noch ein Bierchen im Cockpit genießen, da dreht der Wind auch schon auf NO! Sie ist da! Die Bora, oder Bura, wie die Einheimischen sagen! Beinahe auf die Minute genau prognostiziert! Echt erstaunlich, wie die das heutzutage hinkriegen! Diesmal ist, für eine klassische Bora-Lage eher unüblich, auch noch Regen dabei! Bald klatschen dicke Tropfen gegen Tinas Steckschot (die Eingangstür) - das Regenverdeck aus der Zeltplane, von der ich eigentlich immer noch nicht weiß, wofür sie wirklich gehören könnte, welches mir bei der gestrigen Jugo-Lage, gute Dienste erwiesen hat, ist heute wirkungslos! Der Regen ergießt sich teilweise waagerecht genau von Achtern in Tinas Cockpit! Schnell ab nach unten! Es wird ja auch Zeit für einen Tee! :) Ich will doch gesund sein, wenn auch Tinas Wehwehchen wieder gut sind!

Gegen 18h will ich ein Wetterfenster nutzen um die Duschen aufzusuchen. Hin komme ich trocken. Zurück wie ein gebadeter Hund! Es schüttet mittlerweile wieder derart, dass ich nach dem nur 50 Meter langen Weg, zurück zu Tina ein 2. Mal geduscht werde! Also rein, Heizung marsch und die nassen Klamotten im Salon verteilt aufgehängt. Was tät ich echt ohne meine Heizstrahler. Sie funktionieren zwar beide nicht 100%ig zuverlässig - wohl weil einer 30 Jahre alt und der andere einfach totales Billigsdorfer-Klump ist - jedoch einer von den beiden Jungs lässt mich mittlerweile nie im Stich! Frieren musste ich an Bord seit dem Februar-Vorfall nicht mehr!


Mein Vorhaben, Toni's Pizzeria auszuprobieren - ich koste mich gerade durch den Ort -, verwerfe ich aufgrund der Wettersituation. Ich möchte ungern in vollem Ölzeug im Restaurant einmarschieren und anders wären die 500 Meter wohl nicht zu schaffen, ohne in nassen Hosen beim Abendessen sitzen zu müssen. Also koche ich mir Tomatensuppe, was, anders als die gestrige Aktion mit der Schwammerlsuppe, nicht in einer komplett versauten Pantry (=Küche) endet. So langsam bekomme ich das Suppe Kochen mit Induktionsplatte und kleinen Töpfen nun hin! Das ist echt eine permanente Gratwanderung zwischen Überkochen und nicht Aufkochen, aber mit Gefühl, zwischen niedrigster Stufe und Aus, hin und her geschaltet, lässt sich das Packerlsuppenmanöver auch weitgehend ohne Sauerei erledigen.