Als ich Murvenjak, das kleine Inselchen neben Vrgada, mit seinen 2 wunderbaren Ankerbuchten, die ich während meiner Motorboot Zeit oft zum Schnorcheln besucht habe, passiere, bemerke ich eine 51er, die vermutlich aus Murter kommt und in Richtung Kornati unterwegs ist. Am Vorschiff, im Schatten der Genua liegend, beobachte ich das Schiff und seinen Kurs. Es dauert nicht lange bis ich feststelle: Wir sind auf Kollisionskurs!
Also gehe ich zurück ins Cockpit und beobachte weiter. Die 51er hat Vorrang, das heißt, sie ist kurshalte- und ich ausweichpflichtig. Ich befinde mich auf einem tiefen Raumwind-Kurs, nur mit Genua, kann also eigentlich nur anluven um in Luv an dem gegnerischen Boot vorbeizugehen. Also reiße ich die Pinne rum! Was macht die 51er? Sie luvt ebenfalls an und fährt auf mich zu. Gut, will er also doch hinter mir durch! Ich falle wieder ab! Doch das Dickschiff fällt ebenfalls ab! Hey, was soll das?! Ich luve wieder an. Der Rudergänger der 51 tut das selbe! Alter?!?! Steht da jemand am Steuer, oder fährt deren Autopilot brav mit dem leicht böigen und drehenden Wind mit? Ein paar mal spielen wir dieses Spiel! Die 51er lässt mir einfach keinen Raum auszuweichen. Obwohl sie KURSHALTEPFLICHTIG ist!
Es wird MEGA eng! Ich beginne nun, auf das wohl führerlose Schiff einzubrüllen: "Sir! Attention! Sir! Hey! Look! Pozor!". Doch niemand reagiert! Als eine Kollision unausweichlich erscheint, bleibt mir nichts mehr anderes übrig, als mein erstes "Manöver des letzten Augenblicks" zu fahren! Ich kann nur, so stark ich kann anluven und hoffen, dass die 51er diesmal ihren Kurs hält, damit ich doch noch hinter ihr durchgehen kann, also reiße ich meine Pinne rum und warte. Tina luvt, nur mit der, für meinen Fast-Vorwind-Kurs, natürlich weit ausgefierten Genua, sehr träge an! Es dauert ewig bis mein Schiff dreht. Mittlerweile brülle ich so laut wie noch nie zuvor, rüber zum gegnerischen Schiff. Mit dem Wind! Das muss man doch hören! Keine Reaktion!
"So, jetzt wird's gleich krachen" Ich bereite mich geistig schon darauf vor, wie Tinas schwerer Buganker die Bordwand des Dickschiffs aufschlitzen wird. Würde mich gerne irgendwo verspreizen, jedoch bin ich schwer damit beschäftigt, die Pinne auf Maximaleinschlag zu halten. Im wirklich allerallerletzten Moment dreht Tina soweit, dass mein schwerer Pflugschar-Anker maximal 2 Meter an der Steuerbordseite der 51er vorbeischrammt. Sicher nicht mehr! Aus meiner Perspektive sehe ich mich noch erschreckend näher! Der Moment, in dem man alles getan hatte, was man tun kann und nur noch hofft, dass es gut gehen wird. Oarg, wie der Österreicher sagt!
Jetzt sind auch die "Segler" auf dem anderen Schiff wach geworden. "Oh my god! Oh my god!" kreischen die Damen, die eben noch genüsslich an ihren Cocktails nippten, mit nun weit aufgerissenen Augen! Die beiden Yachten rauschen mit vielleicht 1 Meter Abstand aneinander vorbei. Mehr kann es nicht gewesen sein, denn meine Genua hat definitiv(!) an deren Wanten gestreift!!! Wahnsinn!!! Wenn ich dieses "Manöver des letzten Augenblicks" auch nur einen Tick zu spät eingeleitet, oder versucht hätte, vom Gegner weg-zu-halsen, es hätte 100%ig gekracht!
Als ich das Partyschiff schon achteraus habe, wird auch der offensichtliche Skipper des Dickschiffs wach und sich bewusst, was da jetzt hätte passieren können! "Sorry Sir! I'm so sorry!" ruft er mir nach! Für so ein Verhalten gibt es keine Entschuldigung! Auch wenn ein Schiff Vorrang hat, so ist es trotzdem kurshaltepflichtig und muss dem ausweichpflichtigen Schiff die Chance geben auch auszuweichen zu können! Ich denke, die internationalen KVR (Kollisionsverhütungsregeln) werden der Partycrew wohl ohnehin nicht bekannt sein, aber zumindest hätte irgendjemand den Seeraum vor dem Schiff beobachten müssen. Wahnsinn .....
Nach dieser nervenaufreibenden Situation segle ich noch bis Höhe Kosirina Bucht, berge dann die Segel und motore die letzen Meilen nach Hause. Ich will noch bei Zeiten in Jezera sein, um mir mein Zagreber Schnitzel von Andreja, dem besten Koch Kroatiens holen!
Ein abwechslungsreicher, schöner Kurztörn geht zu Ende. Mit weiteren 110 NM im Kielwasser laufe ich um 17:40 Uhr in der Marina Jezera ein.
Tina safe zurück in Jezera:
Erkenntnisse aus diesem, weiteren Test-Törn:
- Tina kann mehr Wind und Welle vertragen, als ich angenommen hatte. Mein Vertrauen ins Schiff steigt stetig!
- Auch mit einem so kleinen Boot, sind Tagesschläge von über 30 Meilen kein Problem.
- Besser mit 1-2 Kts segeln, als mit 4 motoren!
- Es gibt viele Idioten da draußen! Man kann nie genug aufpassen und muss immer mit der Unachtsamkeit, ja Unfähigkeit der anderen rechnen!
- Mein Anker hält besser als gedacht! Bisher hat er sich schon beim 1. Anlauf immer gut eingegraben! Manche meinen, es gibt bessere Anker, aber ich kann mich nicht beklagen.
- Die Ankerwinsch zieht mehr Strom, als ich angenommen hatte. Blöd, wenn dann am Ankerplatz der Saft fehlt.
- Ich brauche eine weitere Powerbank. Möchte am Ankerplatz nicht mehr den Motor laufen lassen müssen um meine elektronischen Geräte laden zu können, ohne die Bordbatterien tiefen zu entladen.
- Flautentage sind auf Einhand-Fahrten eine echte Qual
- Sonnenuntergänge alleine zu beobachten ist schön, aber nicht dasselbe, wie wenn man das mit jemandem teilen kann
- Ich muss mehr bunkern. Vor allem "richtiges" Essen. Wobei?! Würde es mir überhaupt Spaß machen, für mich alleine zu kochen?




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