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18.5.2019 - Segeln mit der Familien-Crew / Das Mysterium des gebrochenen Genua-Falls

Bin nun wieder alleine auf Tina. Die letzten 3 Tage war ich mit der Familen-Crew unterwegs! Ja, ihr liest richtig! Wir waren UNTERWEGS! SEGELN! Endlich wieder raus!!! Bepo hat am Dienstag Nachmittag noch den Motor fertig Instand gesetzt! Da waren meine Eltern bereits hier in Jezera angekommen! Mann, warum muss immer erst alles auf den letzten Drücker fertig werden!? Immer dieser Stress!! Aber gut, dass das der Volvo-Penta nun besser denn je läuft und mir somit wieder das Verlassen der Marina ermöglicht! Welch Freude! Leider gab es gestern - gottseidank am letzten der 3 Segeltage - noch 2 Kollateralschäden an Tina, aber alles der Reihe nach:

14.5.2019
Bepo taucht den ganzen Vormittag nicht auf! Jetzt wird's aber knapp! Kurz vor Mittag kommen meine Eltern in Jezera an. Deren Apartment wird erst um 14 Uhr frei, also machen wir's uns auf Tina gemütlich! So gut das halt geht, wenn die Bora in Böen mit über 40 Knoten durch die Marina fegt.

Dann ist es 14:00 Uhr und meine Eltern beziehen ihr Apartment. Zur selben Zeit kommt auch Bepo, mit dem neu angefertigten Ersatzteil vorbei. Dieser passt perfekt! Der Motor läuft, verliert kein Wasser und pustet auch keine Abgase mehr bei der vorderen Einspritzdüse in den Motorraum. Somit sollte auch wieder volle Kompression haben! Genial! Danke Bepo! Was für eine Odyssee! 13 Tage war mein Motor nun "zerlegt"! Ab morgen kann ich endlich wieder raus! Die Freude ist übergroß!


Abends gehen wir ins "Arija". Thunfischsteak mit Buzzera Sauce! Lecker! Lange dauert der Abend nicht. Verständlich! Meine Eltern hatten eine kurze Vor-Nacht! Und ich bin auch nicht ganz fit! Just in dem Moment als wir den Motor zum Leben erweckt hatten, kam das Kopfweh! Ungutes Kopfweh! Migräne-artig! Wahrscheinlich die Anspannung, ob der Odyssee mit dem Motor, die abfällt von mir ...

15.5.2019

Am Morgen stößt nun auch mein Bruder zu uns! Er hat sich in einer Nachfahrt nach Jezera gekämpft um bei der ersten Familienausfahrt dabei sein zu können! Schön! Nach einem gemeinsamen Frühstück im Apartment der Family, gibt's an Bord von Tina zuerst mal eine Sicherheitseinweisung, so wie es sich gehört. Danach legen wir überraschend elegant ab. Endlich wieder raus auf's Meer! Der Motor scheint nun wirklich etwas mehr Schub zu entwickeln! Fühlt sich bei Hafenmanövern durchaus stärker an!


Leider haben wir nur eine leichte Brise. Aber eigentlich ist das eh perfekt! So kann sich die Crew - allesamt Landratten - an das ungewohnte Geschaukle gewöhnen. Wie setzen die Segel, als wir Rt. Rat querab haben! Obwohl Tina's weit überlappende Genua, in Verbindung mit dem Babystag, das Wenden zwar recht mühsam macht, vor allem bei Leichtwind, laufen die Segelmanöver verhältnismäßig gut ab. So segeln wir an diesem Tag 17,6 Nautische Meilen zwischen den Inseln Murter, Kaprije und Kakan rum. Abends dinieren wir hervorragend in der "Zlatna Skolja", dann fallen alle müde ins Bett, bzw. ich in meine Vorschiffskoje.

16.5.2019
Schon in der Früh, erwartet uns draußen vor der Hafeneinfahrt ein toller Segelwind! Ich schätze mal so an die 15 Knoten - Windmesser habe ich ja keinen mehr, seit dieser unlängst, beim Versuch die Stärke, der auf Tina eindreschenden Böen zu messen, den Geist auf gegeben hat. Volles Tuch! Das geht! Und wie! Tina schneidet auf am Wind Kurs, sauber durch die "Welle". Dabei läuft sie echt schön neutral, ohne übermäßigen Ruderdruck! Toll!



Zu Mittag entschließe ich mich, Tina "beizulegen" (Klingt schmutzig, aber wie sagt man sonst dazu, wenn man das Manöver "Beiliegen" durchführt?!) Dabei werden Segel und Ruder so gestellt, dass das Schiff im Endeffekt recht stabil und ruhig, quer zu Wind und Welle zum liegen kommt. Tina kann das sehr gut! Viel besser als so mancher aktuelle Kurzkieler.

Auf dem "Rückweg" fordert uns ein Raum-Wind-Kurs, in Kombination mit nachlaufender Welle, schräg von hinten, aber auch dieser wilde Ritt kann meiner überraschend wackeren Crew nichts anhaben! Vor Allem meine Mum, ihreszeichens Nichtschwimmerin und eine, der schon beim Autofahren schlecht wird, hätte ich nicht als so "seefest" eingeschätzt! Super!

Abends fahren wir nach Murter und besuchen die Konoba "Boskin skver", das Restaurant von Bepo's Frau! Wir werden absolut nicht enttäuscht! Sehr gutes Essen und wirklich ein sehr schönes, mit Liebe zum Detail hergerichtetes Lokal! Ich komme sicher wieder!

17.5.2019

Frühmorgens muss mein Bruder abreisen. Meine Eltern verlängern um einen weiteren Tag! Haben sie sich nun auch mit dem Segelvirus infiziert? Auf jeden Fall freut es mich unheimlich, dass alle solch einen Gefallen an meiner Leidenschaft finden!

Als wir aus der Marina auslaufen, haben wir NULL Wind! OK, in Böen vielleicht 2 Knoten! Auf jeden Fall zu wenig, um die verhältnismäßig schwere Tina in Fahrt zu bringen. So motoren wir gen Süden. Wenn eh kein Segelwind ist, so will ich den beiden wenigstens ein wenig der wunderschönen Dalmatinischen Küste zeigen. Gleich nach der Hafenausfahrt übergebe ich die Pinne meiner Mum, welche uns super zwischen den Insels Logorun und Tijat hindurch und vorbei an Prvic und Lupac, steuert! Sie findet anscheinend Gefallen am "Ruder-Gehen" und will die Pinne erst aus der Hand geben, als wir kurz vor dem Einlaufen in den Sv. Ante Kanal sind. Ist doch eng dort! Und auch viel Verkehr! Da steuere ich lieber selbst durch!


Nachdem wir eine Runde vor Sibenik drehen, wollen wir wieder zurück durch den Kanal, raus auf's "offene Meer". Schon im Kanal bläst uns ein guter Wind entgegen! Das könnte nochmal was werden mit dem Segeln! Und wird es! Als wir Lupac erneut passieren, haben wir genug Höhe gewonnen, setzen die Segel und kreuzen gen Nordwesten, zurück nach Jezera.


Doch dann ... Als wir westlich von Prvic einen Holebug fahren wollen, bleibt das Achterliek der Genua an irgendwelchen Haken - Gott weiß wofür die mal bestimmt waren - an der Saling hängen, was zur Folge hat, dass das Segel auf ca. 50 cm entlang des Achterlieks aufreisst! Autsch! Der nächste Schaden! Das Wenden wird fortan zur Tortur! Bei jeder Richtungsänderung hechtet mein Papa nach vorn um das Segel um die gefährlichen Stellen - jeweils 40 cm eingerückt von den Saling-Nocks - rum zu führen, sodass es nicht erneut hängen bleiben kann. Das klappt leider nur mäßig. Ich muss mehrere Male den Motor anwerfen, um Tinas Bug, zurück durch den Wind zu bringen, damit Papa das Segel schnell befreien kann, sodass es nicht noch weiter aufreißt. Trotzdem kommen wir unter Segel bis in die Bucht von Jezera! Super! Hätte nicht damit gerechnet heute auch noch segeln zu können!!!!

Zurück im Hafen wollen wir die Genua abschlagen, damit ich sie zu einem Segelmacher bringen, bzw. selbst reparieren kann, sollte ich kurzfristig keine externe Hilfe auftreiben können. Als ich das Segel ausrolle, rutscht es plötzlich runter auf's Deck! Hey! Hat da jemand das Genuafall frei gemacht? Nope! Ist noch immer belegt, aber kein Zug drauf. Ich blicke nach vorne und kriege einen dezenten Schock! Da ist doch tatsächlich das Fall, also jenes "Seil", mit welchem man das Segel hochzieht, gerissen! Eine 10 mm dicke Leine!


Uff! Wie kann das sein? Das muss schon draußen, beim Segeln gerissen sein! Doch, warum ist es dann nicht schon auf See runter gekommen? Hat es allein der Winddruck, den wir durch unsere permanenten Am-Wind oder Halbwind-Kursen in den Segeln hatten, davon abgehalten auf's Deck zu stürzen? Anders kann ich mir das nicht erklären! Aber, warum blieb dann es auch noch oben, als wir auf Raum-Wind Kurz gingen um es zu bergen? Und überhaupt! Hätte das Vorliek nach dem Riss des Falls nicht zumindest Falten machen müssen? Hmmm .... An die Segler/Rigger in meiner Leserschaft: Was meint ihr dazu? Habt ihr eine Erklärung darfür? Please leave a comment .....

Die gerissene Genua und das gebrochene Fall können uns die gute Laune nicht verderben - es ist alles irgendwie zu richten - so lassen die 3 genialen Segeltage in der "Zlatna Skolja" ausklingen. Der Inhaber/Küchenchef ist echt ein wahrer "Maestro"! Wieder werden wir zu einem mehr als fairen Preis auf's Allerbeste bekocht und aufs Allerherzlichste bewirtet!

Schön war's! Es waren wirklich 3 tolle Segeltage! Trotz der Schäden, die wir dabei erlitten haben! In 20 Stunden haben wir 65 Nautische Meilen (= 120 km), davon 50 NM (= 92 km) unter Segel zurückgelegt! Ich bin mehr als zufrieden!!!!!!

18.5.2019

Recht motiviert, hechte ich noch vor dem Frühstück an Deck um die Genua-Rollanlage zu inspizieren und alles für den Tausch der Furling-Leine herzurichten. Es kostet mich einiges an Nerven, das Ende der Leine aus der Trommel rauszukitzeln - ich will das Teil nicht komplett zerlegen müssen - aber letztendlich bin ich erfolgreich.

Gerade als ich fertig bin, entert der Liegeplatz-Nachbar sein Schiff und wir kommen, "Cockpit an Cockpit", groß sind unsere Schiffe ja nicht, ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass es sich um den erst seit 2 Monaten "pensionierten" Schi-Rennläufer, Natko Zrnčić-Dim handelt! Er hat das Boot, welches seit 30 Jahren im Familienbesitz ist, erst von seinen Eltern übernommen segelte aber schon 30 seiner 33 Lebensjahre! Wahnsinn so klein ist die Welt! Sehr netter Typ! Ich hoffe ich bin dann noch da, wenn er "im Sommer" wieder kommt! Die Einladung auf ein Bier stehr auf jeden Fall!

Dann fahre ich zum Nautic Shop, um eine neue Furling-Leine zu besorgen und mal zu fragen, ob die dort einen Segelmacher kennen, der mir meine Genua nähen kann. Lukas Kollege meint, ich solle in der Schiffswerft in Betina fragen. Dort gäbe es einen Shop, der Segel-Reparaturen anbietet. Die bieten dann doch keine Näharbeiten an, aber meinen, ich solle im Shop gegenüber des Marina-Eingangs fragen. Hier bekomme ich aber auch nur eine Nummer, die, wie sich herausstellt, einem Segelmacher aus Sibenik gehört. Dieser meint, er rufe mich in 10 Minuten zurück. Ich warte 1 Stunde. Er ruft nicht zurück! Ich bin sauer! Kaufe mir erstmal Segel-Reparaturband. Denk mir: "Zur Not flick ich den Fetzen vorerst selbst!" Segelmacher-Garn kann ich jedoch nirgends auftreiben. Hmmm ....

Eigentlich rechne ich diesmal nicht damit, dass Luka jemanden kennt, der mir aus der Patsche helfen kann, aber ich probiere es trotzdem und rufe ihn an. "Klar! Ich kenn da eine Frau in Murter. Die kann das schnell erledigen!", meint er! Echt jetzt? Super! Ich telefoniere mit der Dame, und wir vereinbaren einen Übergabeort für die Genua. Bis Anfang nächster Woche soll mein Segel wieder in Ordnung sein! Genial! Luka hat es wieder mal eingefädelt! Ich weiß echt nicht, wie alles hier verlaufen wäre, hätte ich ihn nicht kennengelernt! Ich bin echt ein Glückspilz!

Das motiviert, die Furling-Leine zu erneuern. Sieht doch ordentlich aus, oder? ;)










13.5.2019 - The "Volvo-Penta Odyssey" continues ...

In den letzten Tagen hatte ich irgendwie kein Lust zu Schreiben. Es war alles recht zäh und eine echte Geduldsprobe für mich. Trotzdem konnte ich mich recht gut motivieren. So ist wieder sehr viel geschehen und ich freue mich, die nächsten Tage meine Eltern ein wenig rumschippern zu dürfen. Über heute hab ich wieder ein bisserl ausführlicher zu berichten, aber alles der Reihe nach:

10.5.2019

Warte immer noch auf Bepo, der Ersatzteil hätte gestern geliefert werden sollen. Doch mein Mechaniker kreuzt nicht auf, so beschäftige mich den ganzen Tag mit Kleinigkeiten am Boot und höre Hörbuch. Abends gehe ich ins Restaurant Arija und esse ein vorzügliches, mit dalmatinischem Rohschinken und Pager Käse gefülltes Roastbeef mit einem riesen Haufen Djuvedj. Die Küche hier entschädigt echt für das schlechte Wetter und die ganzen Probleme mit dem Schiff!
Ich komme mit der Wirtin ins Gespräch! Sie sitzt im Wintermantel auf der Terrasse und meint, dass ich mir das falsche Jahr für mein Vorhaben ausgesucht habe. Letztes Jahr um diese Zeit wäre man schon schwimmen gegangen. Autsch!

11.5.2019

Noch immer warte ich auf Bepo. Gegen Mittag reißt mir die Geduld und ich rufe ihn an. Er meint, es tut ihm leid, aber er habe am Freitag vergessen, das Teil zu holen und die Volvo-Penta Vertretung sei am Samstag, also heute, bereits geschlossen. Shit! Geh bitteeeeee! Das darf aber jetzt nicht wahr sein! Ich wollte doch die einzigen schönen Tage in dieser Woche mit zumindest ein paar Segelmeilen genießen bevor es wieder los geht. Aber Bepo verspricht mir, dass ich am Montag in der Früh "gleich der Erste" bin und das Ganze in einer halben Stunde erledigt sein wird.

OK, also versuche ich mich, in Aussicht auf weitere 2 Hafentage bei schönstem Segelwetter, zu beruhigen, indem ich Sachen am Boot erledige. Fixiere das Groß mittels Marschlag am Baum.
Verschaffe mir endlich einen Überblick über das Wassersystem an Bord. Spannend! "Erfinde" aus Kabelbindern und Plastikhaken eine saugeile Halterung für meine Cockpittasche. Schaut gut aus, hält bombenfest!


Probiere den neuen Pinnenpiloten Raymarine ST2000+ aus. Plug and Play! Dieser wird aufgehoben. Vorerst soll der alte "verbraucht" werden. Jetzt funktioniert er ja wieder. Ich richte auch den Spi-Baum her. Versehe ihn mit einer Auslöseleine, sowie je einem Hahnepot für den Niederholer und den Toping-Lift! Ich denke das sollte so passen!? Schieße die Leinen am Mast neu auf usw. usf.

12.5.2019

Dauerregen schon am Morgen, also entschließe ich mich nach Sibenik in den nächstgelegenen Self-Service Waschsalon zu fahren und auf dem Rückweg ein paar Spots am Fluß Krka auszukundschaften, die man anlaufen könnte. Verbringe 1,5 Stunden im Waschsalon beim Busbahnhof.


Lerne 2 Amis auf Europa-Rundreise und einen Australier, der ein Stück Land in Kroatien geerbt hat und sich jetzt hier einzugewöhnen versucht, kennen. Laufe das Einkaufszentrum Dalmare an. Erstehe 2 Isomatten, die ich für Tinas Cockpitbänke zuschneiden möchte. Fahre dann Zaton und Raslina an. Zaton ist ne schöne Ortschaft in einem Seitenarm der Krka gelegen. Raslina hat irgendwie kein Zentrum. Sieht nach einer Art Feriensiedlung aus, ist aber auch nett. V.A. der kleine Arm nördlich der Ortschaft sollte schön zum ankern sein.

13.5.2019

Um 10:30 Uhr treffe ich mich mit Bepo in Murter. Gemeinsam wollen wir die Volvo-Penta Vertretung aufsuchen und stehen vor verschlossenen Türen! Alteeeer! Dabei hat Bepo doch angerufen, dass wir kommen. Er tätigt einen weiteren Anruf und ich gebe eine Zigarette aus, während wir auf den Shop-Betreiber warten. Dieser kommt per Fahrrad und übergibt uns das bestellte Teil! Dann der nächste Schock! Das vordere Ende des Originalteils, dort wo es am Dieselfilter angeschraubt ist, sieht verdammt anders aus, als das des alten, geflickten Teils. Da ist wohl ein ursprüngliches 6er Loch auf ein 8er aufgebohrt worden, wie es scheint! Fuck! Was tun um das nun passend zu machen!? Das neue, 280 Euro teure Originalteil aufbohren und riskieren, es dabei zu beschädigen? Neues "Housing" für den Dieselfilter?! Dauert mir ganz sicher zu lange, das Teil wieder aus Belgien liefern zu lassen, aber der Volvo-Mensch befragt das Internet. Gibt es ohnehin nicht mehr! Produktion eingestellt! Alteeeeeeeer?! Also bleibt uns nichts anderes übrig, uns in dieser Angelegenheit selbst zu helfen. Wozu sind wir "Seeleute"? ;)

Wir fahren zurück zu Tina, um uns das Ganze in Ruhe nochmal anzusehen! Vielleicht gibt es ja eine andere Möglichkeit, als den Neuteil zu "zerstören"! Und ja! Die gibt es! Wir entschließen uns, die "Kopfschraube" des Dieselfilters, also dort wo die Überdruckleitung in diesen zurück geht, das Teil, dass der Vorbesitzer - schön langsam könnt ich diesen "Mechaniker" echt verfluchen - verpfuscht hat, neu anfertigen zu lassen und suchen auch gleich einen Werkzeugmacher auf, der mir das Teil bis morgen anfertigen wird! Puh! Schwein gehabt?! Ich bin mir nicht so sicher, ob das, wie von ihm prognostiziert über die Bühne gehen wird, aber Bepo meint, er komme morgen dann mit dem Teil im Gepäck vorbei und baut alles zusammen! Schauma mal ... Ich liefere ihn wieder zu Hause ab und erfahre, dass seine Frau eine Konoba betreibt. Kleiner Familienbetrieb! Sie, Schwester und Bruder?! Irgendwie so! Auf jeden fall cool! Werd ich sicher mal aufsuchen! Vielleicht schon in den kommenden Tagen, wenn meine Eltern, sowie mein Bruder zu Besuch kommen werden.

Am NM muss ich meiner Anspannung, ob denn der Motor nun wirklich fertig wird, bis ich die "Crew" begrüßen darf, luft machen, so putze ich das ganze Schiff zum wiederholten Male gründlich durch. Ich wische im Vorschiff alle Stauräume bis zur untersten Bilge nochmal raus und poliere alles Holz in Tinas Bauch. Fesch steht sie da, die Tina! Wenn jetzt ihr kleines britisch-schwedisches Volvo-Penta Herzerl noch schlagen würd und der Wind nicht gar so arg wär, wär alles Klass'!

22:30 Uhr: Es weht wieder ordentlich. Stärker als zuletzt bei Jugo! Die Bora trifft Tina immer besonders hart in ihrem Liegeplatz. Wind genau von achtern, also hinten! Das Schiff hängt in den alten, harten Murings (dicke Taue), die an den Klampen knarzen. Vorhin war ich nochmal draußen um die Gangway zu sichern und die Genuaschoten dichtzuholen, die grässlich in den Umlenkblöcken knarzten. Wollte den Wind messen. Mein kleines Handwindmessgerät zeigte leider zuerst nur irgendwelche Striche und Punkte, dann schließlich gar nix mehr! Klump! Naja, Werbegeschenk von Compass! Trotzdem! Hey, ein maritimer Windmesser sollte doch auf ein wenig mehr an Wind ausgelegt sein, oder?

Die Böen krängen Tina (neigen sie zur Seite) teilweise so sehr, dass ich, wäre ich auf See, schon längst das eine oder andere Reff eingelegt hätte. Nur haben wir aber kein Tuch oben! Allein das Rigg, also der Mast und die Wanten und Stage (Drahtseile die den Mast stützen) bietet genug Angriffsfläche für den Wind! Wie wird das erst morgen, wenn der Wind nochmal zulegt? Wie wird es meinen Eltern ergehen, die sich morgen durch Regen und Sturm zu mir durchkämpfen? Ich hoffe echt, die Maslenica Brücke wird nicht gesperrt und sie kommen save hier an! Die Bora kann so Einiges und für das Gebiet, welches sie durchfahren - gottseidank per Auto - sind an die 60 Knoten Wind angesagt!  




9.5.2019 - Takling-Arbeiten in Mitten einer Ragatta?!

Eine unruhige Nacht! Lange werde ich von Böen wachgehalten, die uns wieder mal ordentlich durchbeuteln um kurz nach 3 Uhr von Starkregen geweckt zu werden. Liege eine Zeit lang wach und beobachte die Geräusche, die das Wasser macht, wenn es auf Tinas Deck und gegen ihr "stehendes Gut", also alles was Tina an metallernem Rigg zu bieten hat, prasselt.  Wie so oft, vermeine ich Wasser innerhalb von Tina "laufen" oder tropfen zu hören. Ein kurzer Check genügt auch diesmal, um festzustellen, dass es nur(!) ins Auffang-Gefäß neben dem Vorschiff-Bullauge an Backbord tropft. Ich habe, trotz mehrmaliger Checks auf potentielle Leckagen, leider noch immer keine Ahnung, woher das Wasser von oben kommt!?!?! Trotzdem! Ungut! Irgendwann schlafe ich dann doch recht unruhig weiter …

Vormittags ziehen noch einige Schauer über uns. Weiterhin ist es recht böig! Grausig! Ich verlasse Tina lediglich um einkaufen zu gehen. Brauche Brot, Wasser und etwas Süßes für das Frühstück um mich bei Laune zu halten - an diesem, meinem am 9. Hafentag in Folge! Es droht der Lager- bzw. Hafenkoller!

Ich höre eine Zeit lang das neue Hörbuch, welches ich mir heute noch downgeloaded habe. Das wird mir, obwohl die Geschichte einer Blauwasser-Reise mit jäh-unangenehmem Ende, recht spannend und gut geschrieben ist, dann aber irgendwie zu langweilig. Ich muss was tun! Entschließe mich, die Enden der neuen Reffleinen in den Salon runter zu werfen, damit ich sie dort, im Warmen, mit je einem Takeling versehen kann (Ich habe sie vorgestern etwas übereilt angeschlagen. Wollte einfach sehen, ob alles so läuft wie gedacht). Draußen ist es mir zu unangenehm für diese Arbeit, außerdem funktioniert das mit dem "Verschmoren" der Enden mittelt Feuerzeugs, in der Windstille des Salons weitaus besser, als im windigen Cockpit!



Da das recht gut funktioniert, und ich ohnehin auf Bepo, meinen Mechaniker warten muss, versehe ich auch die Enden meiner, bis dato, zugegebener Maßen recht lieblos angebrachten Fenderleinen, je mit einem Takling! Insgesamt 14 Stück fertige ich an diesem Nachmittag an. Was täte ich sonst, zum Warten gezwungen!?


Bepo kreuzt nicht auf! Vermutlich wurde das Ersatzteil nicht geliefert! Sonst wäre er gekommen! Ich denke, er will die "Baustelle" hier auch abschließen! So wie ich! Falls ich morgen Mittag noch nichts von ihm gehört habe, werde ich anrufen! Es heute zu tun, erscheint mir zu "sekkant"!

Ich entschließe mich, wieder die paar Schritte zum Restaurant "Zlatna Skolija" zu gehen um dort meinen Bärens-Hunger zu stillen! Habe mir heute lediglich eine "Dalmatinska Juha" (Dalmatinische Packlerlsuppe) gemacht. Die war zwar gut und ich habe sie, in einer Geduldsarbeit mit den, mir zur Verfügung stehenden Mitteln, wieder mal ohne Überkocken hinbekommen. Trotzdem. Ich habe Kohldampf!!! Aufs wiederholte Mal freundlichst empfangen, entschließe ich mich, mir ein Steak mit hausgemachter Pfeffersauce und Pommes zu gönnen. Wie könnte es anders sein!? Ich werde nicht enttäuscht! Genialst! Also entweder der kocht wirklich so gut, oder "derr Hungerr isch derrr besccchte Koccccch!", wie der alte Osttiroler Bergführer mal, im Zuge einer Brotzeit-Unterhaltung auf 2300 Meter Seehöhe, gemeint hatte. Wie auch immer! Es war großartig!


Ich interviewe den Wirt noch bzgl. der offensichtlichen Events, die hier im Gange sind. Seit vorgestern trudeln nämlich immer mehr 14-18 Fuß Boote per Anhänger hier ein, werden aufgeriggt, zu Wasser gelassen, probegesegelt und Reih und Glied im Stadthafen abgestellt! Vornehmlich Slovenen, aber auch Deutsche, Tschechen und Österreicher. Eine Regatta? Er weiß es auch nicht, befragt aber einen Mann, der eben an der Wirtshaus-Terrasse vorübergeht, zwar nicht so aussieht, sich aber auszukennen scheint! Offensichtlich ist wirklich eine Regatta im Gange. Inkl. einem 24 Stunden Rennen. Cool! Das mit diesen, mehr oder weniger offenen, recht nass zu segelnden Booten!? Bei diesen Temperaturen?! Cool! So scheinen die Jungs und Mädels auch zu sein! Ich habe ein paar von ihnen, von Tinas Cockpit aus beobachtet, wie sie mit vollem Tuch die enge Hafeneinfahrt reinkreuzten! Sportlich! Respekt!

20:30 Uhr: Himmel ausgeputzt! Windstill! Wir haben das Schlechtwetter hinter uns. Die nächsten beiden Tage sollen gut werden: