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09.06.2019 - Konoba BAIN / Otok Zut => Marina Jezera ... "Der Tag, an dem ich das erste Manöver des letzen Augenblicks meines Lebens fuhr"

Ich erwache mit einem schweren Kopf! Uff, das war dann doch ein Bier zu viel gestern! So gehe ich es langsam an und rudere erst mal auf einen Kaffee zur Konoba. Heute habe ich nur rund 20 Meilen vor mir und etwas Wind soll es am Nachmittag auch geben, was mich gut nach Hause bringen sollte. So lege ich erst um 11 Uhr von der Boje ab und setzte 0,9 NM weiter, nördlich des Inselchens Maslinjak die Segel. Nachdem ich eine halbe Meile mit nicht messbarer Geschwindigkeit rumtreibe (wir bewegen uns zwar, jedoch zeigt Navionics 0,0 kts - wir fahren wohl unter 0,1 Knoten) reisst mir die Geduld. Ich rolle die Genua weg und motore nur mit Groß als Stützsegel weiter. 3 Meilen später, kann ich südlich des Hrid Galijolica wieder Segel setzten und vor dem Wind kreuzen. Irgendwann berge ich das Großsegel. Nur mit Genua kann ich "tiefer" fahren. Dadurch dass das Großsegel keinen Windschatten macht, steht die Genua auch viel besser! So "brause" ich mit 3,5 bis 4 Knoten gen Südosten.



Als ich Murvenjak, das kleine Inselchen neben Vrgada, mit seinen 2 wunderbaren Ankerbuchten, die ich während meiner Motorboot Zeit oft zum Schnorcheln besucht habe, passiere, bemerke ich eine 51er, die vermutlich aus Murter kommt und in Richtung Kornati unterwegs ist. Am Vorschiff, im Schatten der Genua liegend, beobachte ich das Schiff und seinen Kurs. Es dauert nicht lange bis ich feststelle: Wir sind auf Kollisionskurs!

Also gehe ich zurück ins Cockpit und beobachte weiter. Die 51er hat Vorrang, das heißt, sie ist kurshalte- und ich ausweichpflichtig. Ich befinde mich auf einem tiefen Raumwind-Kurs, nur mit Genua, kann also eigentlich nur anluven um in Luv an dem gegnerischen Boot vorbeizugehen. Also reiße ich die Pinne rum! Was macht die 51er? Sie luvt ebenfalls an und fährt auf mich zu. Gut, will er also doch hinter mir durch! Ich falle wieder ab! Doch das Dickschiff fällt ebenfalls ab! Hey, was soll das?! Ich luve wieder an. Der Rudergänger der 51 tut das selbe! Alter?!?! Steht da jemand am Steuer, oder fährt deren Autopilot brav mit dem leicht böigen und drehenden Wind mit? Ein paar mal spielen wir dieses Spiel! Die 51er lässt mir einfach keinen Raum auszuweichen. Obwohl sie KURSHALTEPFLICHTIG ist!

Es wird MEGA eng! Ich beginne nun, auf das wohl führerlose Schiff einzubrüllen: "Sir! Attention! Sir! Hey! Look! Pozor!". Doch niemand reagiert! Als eine Kollision unausweichlich erscheint, bleibt mir nichts mehr anderes übrig, als mein erstes "Manöver des letzten Augenblicks" zu fahren! Ich kann nur, so stark ich kann anluven und hoffen, dass die 51er diesmal ihren Kurs hält, damit ich doch noch hinter ihr durchgehen kann, also reiße ich meine Pinne rum und warte. Tina luvt, nur mit der, für meinen Fast-Vorwind-Kurs, natürlich weit ausgefierten Genua, sehr träge an! Es dauert ewig bis mein Schiff dreht. Mittlerweile brülle ich so laut wie noch nie zuvor, rüber zum gegnerischen Schiff. Mit dem Wind! Das muss man doch hören! Keine Reaktion!

"So, jetzt wird's gleich krachen" Ich bereite mich geistig schon darauf vor, wie Tinas schwerer Buganker die Bordwand des Dickschiffs aufschlitzen wird. Würde mich gerne irgendwo verspreizen, jedoch bin ich schwer damit beschäftigt, die Pinne auf Maximaleinschlag zu halten. Im wirklich allerallerletzten Moment dreht Tina soweit, dass mein schwerer Pflugschar-Anker maximal 2 Meter an der Steuerbordseite der 51er vorbeischrammt. Sicher nicht mehr! Aus meiner Perspektive sehe ich mich noch erschreckend näher! Der Moment, in dem man alles getan hatte, was man tun kann und nur noch hofft, dass es gut gehen wird. Oarg, wie der Österreicher sagt!

Jetzt sind auch die "Segler" auf dem anderen Schiff wach geworden. "Oh my god! Oh my god!" kreischen die Damen, die eben noch genüsslich an ihren Cocktails nippten, mit nun weit aufgerissenen Augen! Die beiden Yachten rauschen mit vielleicht 1 Meter Abstand aneinander vorbei. Mehr kann es nicht gewesen sein, denn meine Genua hat definitiv(!) an deren Wanten gestreift!!! Wahnsinn!!! Wenn ich dieses "Manöver des letzten Augenblicks" auch nur einen Tick zu spät eingeleitet, oder versucht hätte, vom Gegner weg-zu-halsen, es hätte 100%ig gekracht!

Als ich das Partyschiff schon achteraus habe, wird auch der offensichtliche Skipper des Dickschiffs wach und sich bewusst, was da jetzt hätte passieren können! "Sorry Sir! I'm so sorry!" ruft er mir nach! Für so ein Verhalten gibt es keine Entschuldigung! Auch wenn ein Schiff Vorrang hat, so ist es trotzdem kurshaltepflichtig und muss dem ausweichpflichtigen Schiff die Chance geben auch auszuweichen zu können! Ich denke, die internationalen KVR (Kollisionsverhütungsregeln) werden der Partycrew wohl ohnehin nicht bekannt sein, aber zumindest hätte irgendjemand den Seeraum vor dem Schiff beobachten müssen. Wahnsinn .....

Nach dieser nervenaufreibenden Situation segle ich noch bis Höhe Kosirina Bucht, berge dann die Segel und motore die letzen Meilen nach Hause. Ich will noch bei Zeiten in Jezera sein, um mir mein Zagreber Schnitzel von Andreja, dem besten Koch Kroatiens holen!

Ein abwechslungsreicher, schöner Kurztörn geht zu Ende. Mit weiteren 110 NM im Kielwasser laufe ich um 17:40 Uhr in der Marina Jezera ein.



Tina safe zurück in Jezera:


Erkenntnisse aus diesem, weiteren Test-Törn:

- Tina kann mehr Wind und Welle vertragen, als ich angenommen hatte. Mein Vertrauen ins Schiff steigt stetig!

- Auch mit einem so kleinen Boot, sind Tagesschläge von über 30 Meilen kein Problem.

- Besser mit 1-2 Kts segeln, als mit 4 motoren!

- Es gibt viele Idioten da draußen! Man kann nie genug aufpassen und muss immer mit der Unachtsamkeit, ja Unfähigkeit der anderen rechnen!

- Mein Anker hält besser als gedacht! Bisher hat er sich schon beim 1. Anlauf immer gut eingegraben! Manche meinen, es gibt bessere Anker, aber ich kann mich nicht beklagen.

- Die Ankerwinsch zieht mehr Strom, als ich angenommen hatte. Blöd, wenn dann am Ankerplatz der Saft fehlt.

- Ich brauche eine weitere Powerbank. Möchte am Ankerplatz nicht mehr den Motor laufen lassen müssen um meine elektronischen Geräte laden zu können, ohne die Bordbatterien tiefen zu entladen.

- Flautentage sind auf Einhand-Fahrten eine echte Qual

- Sonnenuntergänge alleine zu beobachten ist schön, aber nicht dasselbe, wie wenn man das mit jemandem teilen kann

- Ich muss mehr bunkern. Vor allem "richtiges" Essen. Wobei?! Würde es mir überhaupt Spaß machen, für mich alleine zu kochen?









08.06.2019 - Marina Veli Rat / Dugi Otok => Konoba BAIN / Otok Zut ... "Der Fast-Hitzetod auf See"

Heute will ich wieder zurück Richtung Süd-Osten, nach Zut zur Konoba BAIN. Leider finde ich absolut keinen Wind vor, also muss ich motoren. Es folgt eine extrem langwierige und langweilige Motorfahrt. Ich muss mit meinem 18 PS Motor gegen die Strömung an und schaffe somit maximal 3,5 Knoten Speed. Uff! Noch dazu ist es brütend heiß und ich habe nicht mal Segel gehisst, die ein wenig Schatten spenden würden.


Zumindest muss ich unter Motorfahrt nicht auf meine Batterien achten, so kann ich mit lauter Musik das Motorengeräusch übertönen und mich ein wenig bei Laune halten.

Ich rufe in der Konoba an und reserviere mir einen der 4 Plätze an der Mole. Ich solle, wenn ich einlaufe, "nur kurz anrufen", dann würde jemand kommen, um mir beim Anlegen zu helfen. Passt, denn alleine elegant und stylish am Steg mit Murings anzulegen, ist schwer bis unmöglich und für Hafenkino möchte ich auch nicht gerade sorgen.

Als ich in die Bucht einlaufe, hängen schon ein paar Yachten an den Bojen, die vor dem Steg ausgelegt sind. Wie vereinbart, rufe ich in der Konoba an! Niemand hebt ab! So arbeite ich mich durch das Gewirr von Schiffen und freien Bojen vor bis zum Steg und lasse mich davor treiben. Es ist wohl offensichtlich, dass ich anlegen will und ich mache mich auch durch Winken bei den auf der Terrasse der Konoba sitzenden Personen bemerkbar. Niemand will mir helfen! Ein Deutscher mit einer riesigen Motoryacht, der an einer der Bojen hängt, erkennt meine Lage und meint, ob er nicht sein Dinghy launchen, an Land fahren und meine Leinen entgegen nehmen soll! Doch ich winke ab!

Bin müde, total überhitzt, wieder mal sauer und entschließe mich an einer Boje anzulegen. Mein, wiederum äußerst elegantes Bojenmanöver, sowie die herrliche Bucht in der ich nun festgemacht habe, heben meine Stimmung jedoch bald wieder an.


Nachdem ich mich ein wenig abgekühlt habe, launche ich das Dinghy und setze zur Konoba über. Dort treffe ich auf eine Mostviertler Seglerpartie, mit der ich mich super unterhalte und einen langen, feucht-fröhlichen Abend verbringe.





07.06.2019 - Luka / Dugi Otok => Marina Veli Rat / Dugi Otok ... "Geduld ist eine Tugend"



Nach einer ruhigen Ankernacht und einem Frühstück mit Gugelhupf aus der Heimat, lichte ich um 08:55 Uhr den Anker und motore aus der Bucht. Draußen erwartet mich ein 1-2 Bft Lüftchen. Trotzdem setze ich die Segel. Heute habe ich nur rund 20 Meilen vor mir und bin zudem früh dran, also gebe ich mich mit 2-3 Knoten Fahrt zufrieden. Wir treiben zumindest in die richtige Richtung!

Auf Höhe von Brbinj mache ich nur mehr 1,5 Knoten im Schnitt. Überlege lange, ob ich den Motor starten soll, doch dann frischt der Wind wieder auf und ich kann die restliche Strecke mit guten 4-5 Knoten segeln. Geduld ist eine Tugend!

Um 16:09 mache ich an der Außenmole der Marina Veli Rat fest. Schön ist es hier. Irgendwie total verschlafen. Neben mir machen an diesem Abend nur 2 weitere Tageslieger fest. Es sind zwar schon ein paar Eigner auf ihren Yachten - vermutlich ob des Pfingstwochenendes - aber wenn sich 20 Leute in der Marina tümmeln, ist es viel!


Nachdem ich mich akklimatisiert habe, suche ich die Konoba LANTERNA auf. Sauteuer, aber zumindest ist das Steak von hervorragender Qualität.


Nachdem ich auch eine Runde durch "den Ort" spaziert bin, genieße ich im Cockpit von Tina einen herrlichen Sonnenuntergang. Dieser Moment, in dem die Sonne hinter dem Horizont verschwindet! Episch!






06.06.2019 - Marina Jezera => Luka / Dugi Otok ... "Die Rekordfahrt"

Um 08:55 werfe ich die Leinen los und breche zu meinem Kurztörn auf. Mein erstes Ziel soll die Ortschaft Luka auf der Insel Dugi Otok sein. Ich motore gegenan aus der Bucht von Jezera. Ich will nicht schon zu Beginn meiner Reise mühevoll aufkreuzen müssen. Als ich Rt. Rat querab habe, setzte ich die Segel. Das Groß sicherheitshalber im 2. Reff. Es sind wieder Böen bis 25 kts angesagt. Die Genua rolle ich voll aus. Zu diesem Zeitpunkt ist dieses Setup gut fahrbar!

Ein paar Seemeilen später haben Wind und Welle nochmal zugelegt, sodass ich nun auch die Genua zu 1/3 weggerolle. Ziemlich genau mittig im "Murtersko More", zwischen den südlichen Kornaten und der Insel Murter, beobachte ich eine 37er, wie sie auf Halbwind-Kurs gegen die See ankämpft. Frage mich, wie das wohl aussieht, wenn Tinas flacher Rumpf zwischen den Wellenbergen verschwindet. Man könnte wohl meinen, dass da ein Rigg alleine rumsegelt!


Der Südost-Wind wird begleitet von der entsprechenden See. Die Wellen sind zum Teil 1,5 Meter hoch und rollen unter uns durch, wobei sie Tinas Heck jedes Mal einen Deut versetzen. So geht es jedem Segelboot. Manche stecken das sogar viel schlechter weg als Tina, mit ihrem klassisch geformten Rumpf. Meine Segel dürften auch gut getrimmt sein, denn Tina findet fast von alleine ihren Weg durch die Wellen. Ray muss nur ganz wenig eingreifen.


So surfen wir vorbei an Zut und Sit und zwischen Lavandara und der Südspitze von Dugi Otok in Richtung Tagesziel. Es geht gut! Sehr gut sogar! Die ersten 35 Meilen segeln wir mit einem Schnitt von 5,03 Kts! Toll für die kleine Tina! Rekord!

3 Meilen vor dem Ziel. Ich will voll motiviert, die enge und seichte Durchfahrt zw. Rt. Grubac und dem Inselchen Luski nehmen. Da sind wir auch schon mal mit ner 46er durch! Doch heute ist bedeutend mehr Wind als damals! Ganz wohl ist mir dabei nicht. Ich habe ja schon so meine Erfahrungen mit den plötzlich auffrischenden und drehenden Winden in solchen Durchfahrten. So reffe ich schon weit vorher die Genua um ein weiteres Drittel. Mit nur einem Drittel der Genua und dem Groß im 2. Reff machen wir immer noch 5 kts in der 3-4er See! Eine Rauschefahrt!

Als ich die enge Durchfahrt querab habe, luve ich an und halte auf Halbwindkurs auf das "Nadelöhr" zu. Tina erreicht jetzt ihre Rumpfgeschwindigkeit (=theoretische Höchstgeschwindigkeit), was leicht daran zu erkennen ist, dass das Schiff dann leicht zu vibrieren oder beben beginnt. Mein Kurs ist gut! Ich halte perfekt auf die ca. 20 Meter breite fahrbare "Rinne", die mit 3 Meter Tiefe angegeben ist, zu. Doch je näher ich der Engstelle komme, desto mehr dreht der Wind und so finde ich mich bald in einer Situation wieder, in welcher ich IN, oder noch VOR der Durchfahrt eine Wende fahren müsste. Ich kann den Kurs nicht mehr halten. Tina hält wild krängend (sich auf die Seite legend) auf die Südspitze des Inselchens zu. Binnen Sekunden muss ich eine Entscheidung treffen. "Nein, das geht sich nie und nimmer aus!", fährt es mir durch den Kopf! So reisse ich die Pinne rum und falle auf einen Vorwind-Kurs ab, der mich von der Engstelle wegbringen soll. Oh, da ist ja auch noch die "Einzelgefahrenstelle" (ein Steinhaufen vor dem kleinen Inselchen, welcher mit einem entsprechenden Gefahrenzeichen gekennzeichnet ist) nördlich von mir! Shit! Jetzt wird's nochmal eng! Vor dem Wind, die Pinne zwischen den Beinen, rolle ich den letzten Fetzen der Genua weg. Als ich das Groß dicht holen will, dann der nächste Schock! Irgendjemand (ich!) hat vergessen einen 8-Knoten ins Ende der Großschot zu knüpfen. So konnte sich die Leine aus der Talje (ne Art Flaschenzug) ausfädeln. Toll, so habe ich noch zusätzlich eine Fleißaufgabe in dieser, ohnehin schon recht prekären Situation! Man bedenke: Ich befinde mich immer noch zwischen der Durchfahrt, dem Inselchen und der Einzelgefahrenstelle. So fahre ich das Groß mehr oder weniger "aus der Hand" bis ich arschknapp an den verdächtig braunen Flecken westlich des Einzelgefahrenzeichens vorbeigeschrammt bin. Dann fädle ich die Großschot wieder korrekt in ihre Talje und berge auch das Großsegel. Habe für heute genug von grober See, böigem Wind und engen Durchfahrten.


Die enge Durchfahrt umfahre ich diesmal. Tina würde sich mit ihrem 18 PS Motor vermutlich ohnehin feststampfen, was erneut zu einer brenzligen Situation führen würde. Als ich in die Bucht von Luka einlaufe, bläst es mir mit 25 kts direkt auf die Nase. Mit 2 Kts - mehr geht nicht - kämpfen wir uns Richtung Hafen! Ich will rein! Sicher liegen! Hoffentlich ist es dort ruhiger. Nordwestlich des Hafens ankern 2 Yachten. Ich entschließe mich das Ankerfeld zu inspizieren, bevor ich mir den Hafen ansehe. So tuckere ich zwischen den beiden Yachten durch, wobei mir der freundliche Schwede im Vorbeifahren schon Auskunft darüber gibt, dass der Grund hier gut sei (Schlick), wo sein Anker liegt und wieviel Kette er gesteckt hat. Sehr nett! Gegenüber des Ankerfelds wäre noch das "Buffet Allen", welches eine Mole mit Murings für 4 Yachten bietet. Notfalls könnte ich dort auch längsseits gehen, was in dieser Windsituation wohl das Beste wäre.

Aber zuerst der Ort. Je näher ich diesem komme, desto ungemütlicher wird es. Nicht nur, dass hier noch immer 25 kts stehen, es ist auch sehr laut und der Ganze Hafen wirkt wie eine Baustelle. Zudem pumpen die gerade durch riesige Rohre eine enorme Menge von irgendeiner Flüssigkeit ins Hafenbecken! Nein, das brauch ich nicht.

So rufe ich bei der Konoba an, erreiche jedoch nur eine Dame, die kein Englisch und nur sehr gebrochen Deutsch spricht! Ich kann ihr aber irgendwie vermitteln, dass ich mich auf dem kleinen Boot befinde, welches vor dem Restaurantsteg von Wind und Wellen durchgebeutelt wird. "Mann nicht da. Kommen in 10 Minuta". Neben der Konoba holzt jemand mit einer Motorsense das Gestrüpp nieder. "Das muss der Wirt sein! Der sieht mich sicher eh schon!" Ich klinke mich mit meiner Lifeline in den Jackstays ein, schlage Bug und Heckleine an und fendere das Boot steuerbordseitig, mit allem ab, was ich habe. 4 kleinere, 1 größerer und ein Kugelfender hängen an meiner Bordwand, bereit das Schiff gegen, in diesem Fall, die Betonmauer zu schützen. Das Schiff und ich, wir wären bereit längsseits, gegen die 25 Kts Wind am Steg anzulegen! Ich warte! Niemand kommt! Als ich mich 20 Minuten lang vor dem Steg abgequält habe reichts mir: "Dann fahr ich eben zurück und ankere! Sollen die ihr Essen behalten!"

So werfe ich meinen schweren CQR-Anker auf einer Tiefe von 8 Metern zwischen dem freundlichen Schweden und der kroatischen Herrenpartie und stecke 40 der 50, mir zur Verfügung stehenden, Metern, meiner 8 mm starken Ankerkette! Das sollte auf jeden Fall halten!



Uff, ganz schön stressig zum Ende des 1. Turntags! Dafür werde ich mit einem genialen Sonnenuntergang, sowie den wunderbaren Gesängen der kroatischen Herrencrew belohnt! Anfangs geben sie kroatische Lieder wieder. Mehrstimmige Gesänge, begleitet von einer Gitarre. Wunderbar, wie diese Melodien über die Bucht, hinein in den Sonnenuntergang getragen werden. Als sie auch internationale Songs anstimmen, bin ich hin und weg. Zu "No Woman - No Cry" singe ich lauthals mit und ernte dafür ein "Come over here!". Würde ich ja gerne, aber ich bin einfach zu geschafft um noch das Dinghy zu launchen und rüber zu rudern. So genieße ich noch eine Zeit lang den Gig der Kroaten und schmeiße mich dann in die Koje. Mittlerweile ist es fast windstill. Mein 25kg schwerer Anker ist gut im Schlick eingegraben und ich habe auch genügend Kette gesteckt! Ich fühle mich sicher und so falle ich schnell in einen tiefen Schlaf!



25.5.2019 - Rock'n'Roll Baby :)

08:00 Uhr! Die Nacht wahr sehr ruhig! Die Italiener sind auch unmittelbar danach schlafen gegangen, als sie von der Konoba zurückkehrten. Es ist windstill! Bei einem 3/4 Liter French-Press mache ich mir Gedanken über ein mögliches Ziel! Heute soll am späten Vormittag ein leichter Süd bis Südost einsetzen. Was wäre da für uns erreichbar?! Entschließe mich schließlich den Stadthafen von Prvic auf der gleichnamigen Insel anzulaufen. Das müsste gehen! Ich brauche Strom, eine Dusche und eine warme Mahlzeit!


Ich lege um 08:45 Uhr von der Boje ab und setze noch in der Bucht das Groß. Stützsegel zum rausmotoren, denn Wind gibt's absolut keinen! Spiegelglatte See! Ich gehe weit raus! Dort hin, wo ich gestern so viel Spaß hatte! Nur finde ich da draußen heute absolut keinen Wind vor.

Das monotone Motoren wird mir jedoch durch eine weitere Delfin-Sichtung versüßt! Wieder kommen sie nicht ans Boot ran, aber ich kann sie beobachten, wie sie in 50 Meter Entfernung neben mir immer wieder auf und abtauchen. Auf meine Rufe, reagieren sie zum 2. Mal nicht! Ich schätze, dass sie ran kamen, lag dann doch nicht am Jubilieren, das mir bei meinen ersten zwei Delfin-Sichtungen zum Erfolg verhelfen schien.


Doch dann beginnt sich die Wasseroberfläche zu kräuseln! "Böenfelder" mit einem Häuchlein an Brise. Ich rolle die Genua aus und kann so mit 1,5 - 2 Knoten meinen Kurs Süd beibehalten. Niemand außer mir hier draußen! Nur 2 Fischerboote ziehen eine halbe Meile vor mir ihre Kreise und am Horizont sind ganz winzig klein, 2 Frachter zu erkennen! Oder sind das Reiseschiffe? Wie weit die wohl draußen sein mögen?

Ur plötzlich werden aus den 0-1 Windstärken aus West sportliche 4-5 Beaufort aus Südost, begleitet von der dazugehörigen Welle! Wow! Das geht ordentlich dahin! Auf einem ruppigen Am-Wind Kurs geht es ostwärts an der Insel Zlarin vorbei. Ray, mein Autopilot ist jetzt nicht mehr zu gebrauchen. Zu hoch sind die Wellen, zu stark ist der Ruderdruck! Ja, eigentlich hätte gerefft gehört. Aber das ging alles so schnell! Angesagt waren 2 und nicht 5 Windstärken, sonst hätte ich noch in der Bucht zumindest das 1. Reff eingelegt. Und von der Welle war auch keine Rede!


Doch es ist fahrbar! Sportlich, aber sehr spaßig! Ja regelrecht geil! Safety first, doch in Anbetracht des Seegangs und des ordentlichen Windes, erschien es mir als sicherer, das ganze Abzureiten, als das Cockpit zu verlassen um zu reffen (Einleinen-Reffsystem hab ich ja leider keines).


Ich lege Kurs Insel Zlarin. Will die Abdeckung hinter den Inseln suchen! Doch, nachdem ich die, an Zlarin südlich angrenzenden Inselchen, auf einem wilden Ritt auf Raumwindkurs mit nachlaufender Welle durchfahren habe, wird es nicht wirklich besser. Auch hier läuft die Welle aus SO rein. Noch dazu ist der Wind viel böiger als draußen. In der Durchfahrt zwischen Zlarin finde ich mich auf einem Hart Am-Wind Kurs mit stark ausgefiertem Groß wieder, anders hätte es mich wohl auf die Backe gehaun, so bläst es mir hier entgegen. Südlich von Prvic lässt der Wind dann nach, doch es steht auch hier ein ordentlicher Schwell. Genau in die Bucht von Prvic rein. Dort wo ich eigentlich hin wollte! Hmmm. Der Wind, und somit auch der Schwell aus Südost sollen bis morgen nochmal zulegen. Will ich eine unruhige Nacht in einem fremden Hafen? Ich meine nein, also entschließe ich mich gleich nach Jezera zurück zu fahren. Sind ja nur mehr 8 Meilen!

Nach der Durchfahrt zwischen den Inseln Tijat und Logorun lässt der Wind dann nochmal nach und ich kann Ray wieder aktivieren! So lasse ich mich noch ein paar Meilen mit 2-3 Knoten auf Halbwind Kurs Richtung Heimatmarina chauffieren, bevor 4 Meilen vor dem Ziel der Wind endgültig weg ist, ich die Segel bergen und heim motoren muss!


Um 16:30 Uhr laufen Tina und ich nach 7 Stunden und 43 Minuten, mit weiteren 30,4 Meilen im Kielwasser, in Jezera ein. Insgesamt haben wir also über 60 Meilen an 2 Tagen gemacht! Ich bin mehr als zufrieden!

Abends hole ich mir noch ein "Zagreber Schnitzel" - das beste Cordon Bleue der Welt! Ich schwöre! - von der Zlatna Skolja und werde zu 2 "Schnaps on the house", also Slibovits genötigt. Das gibt mir den Rest. So haue ich mich zeitig in die Koje. Schön war's! Aber anstrengend!

24.5.2019 - Auf der Suche nach dem Wind via Kornati zur Insel Zirje

Nachdem ich den gestrigen Tag mit Bootspflege verbracht habe, will ich heute wieder raus. Und zwar für 2-3 Tage. Bevor das nächste Tief über uns zieht, möchte eine kleine Testrunde fahren um Erfahrung zu sammeln. Mal sehen, wie es so ist, auf Törn mit der kleinen Tina. Heute soll es einen schönen Nordwest geben, mit dem ich Richtung Südosten fahren könnte um irgendwo in der Gegend von Rogoznica zu übernachten. Dann soll der Wind auf Südost drehen. Der würde mich zuerst rauf nach Zirje und tags darauf zurück nach Jezera bringen. So der Plan ...

So lege ich um 07:56 in Jezera ab. Nach der Hafenausfahrt erwartet mich, wie so oft, ein herrlicher NO, der mich schnell raus bringt, aus der Bucht. Doch dann, als ich Maslinjak und Rt. Rat querab habe,  dreht der Wind binnen von Sekunden und aus den 3 Windstärken aus Nordost werden 1 solche aus Südost. Pfff ... mir bleibt also nichts anderes übrig, als erst mal Kurs auf die südlichen Kornaten zu nehmen, welche ich nach weiteren Winddrehern und 4 Stunden erreiche. Als ich Smokvica querab habe, drehe ich ab. Kurs 150°! Wenn der Wind es so will, dann laufe ich heute eben Zrije an. Habe die Tratisnka Bucht im NW der Insel im Auge. Dort soll es ein großes Bojenfeld, sowie eine Konoba geben! Doch vorher will ich zwischen den Kornaten und Zirje raus auf die "offene" Adria - mal sehen wie's dort draußen ist - Zeit habe ich ja, nachdem es nur mehr 10 Meilen bis zur Bucht wären.

Südspitze der Kornati querab:

Zuerst setze ich mir den Leuchtturm Blitvenica als Wendepunkt, doch als ich diesen passiere, entscheide ich mich, noch ein wenig weiter rauszufahren. Es geht einfach zu gut! Klar, steht hier gleich um einiges mehr Welle als hinter den vorgelagerten Inseln, aber Tina macht das gut. Ihr klassisch geformter Rumpf (Langkieler) sticht sauber durch die Seen. Meiner Meinung nach, viel smoother als die meisten modernen Kurzkieler! Und dann dieses Gefühl, quasi auf's offene Meer rauszufahren, die Kroatische Inselwelt hinter sich zu lassen und Kurs Italien zu nehmen! Genial! Die nicht einmal 9 Meter lange Tina macht sich wirklich gut! In diesem Moment lässt mich nichts daran Zweifeln, dass wir es auch bis Italien schaffen könnten! Ich schnappe mir das IPad mit Navionics und zoome aus.



Hmmm ... Der aktuelle Kurs von 180°, also genau Richtung Süden, würde mich direkt zu den Trementi Inseln, nördlich des Sporns führen. Zufall? Das wäre eh eines meiner Traumziele!!! 90 Seemeilen von hier. Wäre in etwas mehr als 1 Tag zu schaffen! Aber alleine? Spontan, ohne großartige Vorbereitung, mit ein paar Müsliriegeln und Fischdosen im Gepäck? Nein, das wäre nicht seemännisch. Ich werde das machen, aber nicht heute!

Als ich so vor mich dahin fahre und darüber nachdenke, wie es wohl wäre, jetzt wirklich solange gegen Süden, in das unendliche Blau zu fahren, bis die Trementi Inseln vor mir auftauchen würden, reißt es mich! Da schwimmt was im Wasser! Ich ändere meinen Kurs und schon rauscht das Etwas an uns vorbei! Ein Plastikkübel! Hey nochwas! Ein Plastiksackerl! Ein Plastikbecher. Noch ein Kunststofffetzen. Teil einer Plane? Ich durchfahre eine ganze Müll-"Insel"!  Zwar gottseidank bei Weitem nicht so krass, wie man das aus diversen Dokus kennt, aber hey muss das sein? Abgesehen davon, dass das eine Sauerei ist - ich persönlich werfe ausschließlich organischen Müll ins Meer - so ein Plastikfetzen verfängt sich gern mal an Propeller oder Ruderblatt! Schwimmen gehen möchte ich hier draußen nicht! Nicht alleine und bei 16 °C Wassertemperatur! Nur gut, dass Tina ein Langkieler ist. Ihr Ruderblatt also direkt am Kiel angehängt ist und der Propeller zwischen drin sitzt. Da verfängt sich nicht so schnell was! Wieder ein Vorteil der klassischen Rumpfform!


Als ich Zirje 6 Seemeilen hinter mir habe und auch die Kornati schon recht klein wirken, mache ich kehrt und nehme Kurs Tratinska Bucht! So surfe ich mit Raumem Wind und Welle, ebenfalls schräg von hinten, Zirje entgegen und erreiche mein geplantes Ziel für morgen, halt schon heute! Auch gut! In der 2. Tageshälfte konnte ich wirklich saugeiles Segeln genießen! Ich bin zufrieden. Auch mit dem Anlegemanöver. Beziehungsweise den Manövern! Versuche es 2 Mal klassisch, also das Boot zielgenau 1 Meter vor der Boje aufzustoppen und diese vom Bug aus mit dem Bootshaken zu fangen. Beide Male vertreibt mir in den 5 Sekunden, die ich benötige, um vom Cockpit nach vor zu kommen, der Bug, und die Boje ist mit der 1 Meter langen Stange nicht mehr zu erreichen. Dann probiere ich es über das Heck! Ich bereite mir eine Hilfsleine zum "Lassowurf" vor und lege los. Wieder fahre ich die Boje gegen den Wind an. Doch diesmal stoppe ich nicht vor der Boje auf, sondern fahre erstmal daran vorbei und lasse sie steuerbords liegen. Als die Boje ca 2 Meter querab ist, stoppe ich Tina auf. Sie gleitet noch ein paar Meter nach vor und der Radeffekt zieht ihr Heck dabei nach steuerbord. So liegt die Boje perfekt steuerbords 1 Meter neben Tinas Heckkorb. Der Lassowurf fällt mir, aufgrund der geringen Distanz leicht - bei der Ausbildung hatte ich da manchmal echt voll verkackt - und schon hänge ich an der Boje. Tina wird ohnehin rückwärts getrieben, also ist es ein Leichtes, die Hilfsleine zum Bug zu verholen und dort fest zu machen. So kann ich in aller Ruhe, die "richtigen" Festmacherleinen mit dem Bootshaken fischen - die Boje ansich, dient nur dazu, die dicken Taue an der Wasseroberfläche zu halten -, und durch die dafür vorgesehenen Augen, je eine meiner eigenen Leinen führen. Total easy und safe! Ich werde das in Zukunft immer so machen, wenn ich Einhand unterwegs bin!


Die Konoba hat einscheinend noch geschlossen! Sieht total unbelebt aus. Und außerdem kam auch niemand um mir beim Bojenmanöver zu helfen - was eigentlich normal wäre! Hmmm! Da ich einen Bärenhunger habe, aber zu erledigt zum kochen bin, mache ich mir eine Dose Thunfisch auf und lege dann noch eine Schüssel Porridge nach! Ruhig ist es hier! Neben mir liegt nur ein Motorboot! Schaut aus, als ob die hier in der Bucht fischen würden. In einem Bojenfeld? Naja, wird schon Sinn machen!

Dann kommt der Bojenwärter und kassiert 250 Kuna von mir! 33,66 Euro! Stolzer Preis, dafür dass man ja "nur" an ner Boje hängt! Klarerweise erhält man hier weder Strom noch Wasser! Noch gibt's Toiletten/Duschen! Eigentlich ein Nepp, aber ich will heute sicher liegen. Und sicher sind diese Bojen allenfalls! Der Bojenwärter im Motorboot spricht perfektes, beinahe akzentfreies Deutsch! "Sie sind alleine unterwegs?! Das ist lobenswert!" meint er wortwörtlich. Ein verbaler Schulterklopfer! Schön, wenn einem jemand Respekt bekundet, der weiß, was das alles bedeutet!

Gegen 19 Uhr läuft eine 51er mit 10 jungen Italienern in die Bucht ein und legt 2 Bojen weiter an! Uff! Das wird heut laut! Ich habe so meine Erfahrungen mit diesen Landsleuten. Kaum sind sie festgemacht, geht es auch schon los. Mit 2 Dinghys (warum zum Teufel haben die 2 davon?!?!) kreisen sie zuerst in der Bucht und übersetzen dann in mehreren Fahrten die gesamte Crew zum Ufer, warten dort zusammen und entern gemeinsam die Konoba! Hey!? Is da doch offen? Shit! Und ich stopf mir irgendwas rein! Depp! Warum rufe ich dort nicht an?! Wahrscheinlich weil es gar so ruhig war und mir auch niemand beim Anlegen half. Naja, zumindest hab ich einen vollen Bauch!


Ach ja: Heute waren es 31 NM in 9h 32min, die ich zurück gelegt habe! Ich bin zufrieden!

22.5.2019 - Dolphin-Watching im "Shabby Chic" Boot

Die letzten Tage waren recht ruhig. Habe primär darauf gewartet, mein Segel zurück zu bekommen, nebenher "Gewittersegeln" weiter gelesen, war in Tisno zum Abendessen und habe im Zuge dessen den genialsten Sonnenuntergang seit langem erlebt, hab Kleinigkeiten am Boot optimiert und in weiser Vorahnung, wieder mal Luka kontaktiert! Er kann mir die "Sailguards" bestellen, welche ich im Internet recherchiert habe und die in Zukunft meine Genua schonen, sowie besser "rum" gehen lassen sollen! UUUUND! Er hat natürlich auch eine Telefonnummer für mich! Von einem Typen, der bei einer Charterfirma tätig und im Zuge dessen, für die Wartung und Instandhaltung von 20 Segelbooten verantwortlich ist! Ich soll nur sagen, dass ich die Nummer von ihm habe, dann passt das schon!!! Cool! Eigentlich bräuchte ich ja nur jemanden, der mir hilft den Mast zu entern, um an den Oberwanten die Sailguards an zu bringen und Anker- sowie Dampferlicht zu ersetzen, aber wenn ich schon einen Spezialisten an der Hand habe, werde ich ihn bitten, gleich das ganze Rigg zu checken! Mir ist aufgefallen, dass, auf Am-Wind-Kursen, das leeseitige Oberwant backbords, sowie das luvseitige Unterwant steuerbords, je nach Winddruck etwas lose wird! Darf das sein? Das wär wieder mal ne Frage an die Segler/Rigger unter meiner Leserschaft! Please leave a comment ....


Heute Vormittag darf ich dann meine reparierte Genua wieder entgegennehmen. Schön hat sie das gemacht! Alles rundum sauber nachgenäht, einige Stellen verstärkt und das abgerissene Saumband wieder angenäht! Schaut super solide gemacht aus! Die Azur blauen Flicken auf Tinas riesigem Vorsegel, unterstreichen nun irgendwie ihren "Shabby Chic" Look! Ich bin zufrieden! Auch mit 600 Kuna, also 80 Euro als Gage! DANKE!

Zurück im Hafen schlage die Genua sofort an, zögere dann kurz, da eigentlich absolut kein brauchbarer Wind angesagt ist und der Stegnachbar auch meint, dass "jetzt der Sommer", also die windlose Zeit da ist, mache Tina dann aber doch klar zum auslaufen. Ich will testen, wie sich die neue Furlingleine (der Vorsegel-Rollanlage) auswirkt! Und außerdem war ich schon wieder viel zu lange nicht draußen! In den letzten Tagen hatte sich schon wieder eine Art Hafenkoller bemerkbar gemacht. 

Als ich Tina vom Landstrom trenne, beobachte ich einen der anderen Stegnachbaren, wie er ablegt und gleich nach der Hafenausfahrt die Genua setzt! Das könnte doch was werden! Und ja, auch mir ist es gewährt, gleich in der Bucht von Jezera die Segel zu setzen und mit angenehmen 4-5 Knoten gegen SSW zu segeln!



Ich versuche, so viel wie Höhe wie möglich zu machen, muss aber dann aber fast die Insel Kakan rammen, bevor ich wenden und gegen NNW, entlang der Insel Murter segeln kann. Ich will soweit es geht in den Norden um mich dann wieder zurück treiben zu lassen, also mit raumem Wind gemütlich heim zu surfen. Als ich 10 nautische Meilen auf der Logge habe, beschließe ich zu wenden und wieder zurück zu fahren. Das sollte sich schön ausgehen!


Es wird zäh! Der Wind schläft teilweise fast ein und ich treibe mit 2 Knoten gegen Süden! Trotzdem! Dem Ziel näher! Und eigentlich ist ja der Weg das Ziel! Ich bin ja deswegen hier, weil ich - primär - leidenschaftlich gern AUF dem Meer bin, nicht AM Meer, also im Hafen! Ich halte durch und starte den Motor NICHT! Wir eieren rum Rt. Rat rum und wieder passiert es, wie es passieren muss! Der Wind frischt, auf der Leeseite der Insel wieder ordentlich auf! Wie jedes Mal! Genial! Also kann ich auf Halbwind bis Am-Wind Kurs bis kurz vor Jezera segeln, bevor es mir dann doch etwas gewagt erscheint, in Mitten einer trainierende Segelschule mit rund 5 Booten, meine Fetzen zu bergen und ich diese somit schon rund 1 SM von der Hafeneinfahrt runterhole. Im Hafen freue ich mich über relativ unerwartete, sehr sehr geniale 17 Seemeilen!


Ach ja! Es haben mich wieder mal Delfine besucht! Zwar nur in ca 20 Metern Entfernung, aber trotzdem! Irgendwie scheine ich diese Meeresbewohner anzuziehen. Habe heuer schon 4 Mal mit ihnen Kontakt gehabt! Davon 2 Mal bei Einhandfahrten! Wahnsinn! Hätte mir vor 2 Jahren jemand gesagt, es würde so kommen, ich hätte es ihm nie und nimmer geglaubt!




9.5.2019 - Takling-Arbeiten in Mitten einer Ragatta?!

Eine unruhige Nacht! Lange werde ich von Böen wachgehalten, die uns wieder mal ordentlich durchbeuteln um kurz nach 3 Uhr von Starkregen geweckt zu werden. Liege eine Zeit lang wach und beobachte die Geräusche, die das Wasser macht, wenn es auf Tinas Deck und gegen ihr "stehendes Gut", also alles was Tina an metallernem Rigg zu bieten hat, prasselt.  Wie so oft, vermeine ich Wasser innerhalb von Tina "laufen" oder tropfen zu hören. Ein kurzer Check genügt auch diesmal, um festzustellen, dass es nur(!) ins Auffang-Gefäß neben dem Vorschiff-Bullauge an Backbord tropft. Ich habe, trotz mehrmaliger Checks auf potentielle Leckagen, leider noch immer keine Ahnung, woher das Wasser von oben kommt!?!?! Trotzdem! Ungut! Irgendwann schlafe ich dann doch recht unruhig weiter …

Vormittags ziehen noch einige Schauer über uns. Weiterhin ist es recht böig! Grausig! Ich verlasse Tina lediglich um einkaufen zu gehen. Brauche Brot, Wasser und etwas Süßes für das Frühstück um mich bei Laune zu halten - an diesem, meinem am 9. Hafentag in Folge! Es droht der Lager- bzw. Hafenkoller!

Ich höre eine Zeit lang das neue Hörbuch, welches ich mir heute noch downgeloaded habe. Das wird mir, obwohl die Geschichte einer Blauwasser-Reise mit jäh-unangenehmem Ende, recht spannend und gut geschrieben ist, dann aber irgendwie zu langweilig. Ich muss was tun! Entschließe mich, die Enden der neuen Reffleinen in den Salon runter zu werfen, damit ich sie dort, im Warmen, mit je einem Takeling versehen kann (Ich habe sie vorgestern etwas übereilt angeschlagen. Wollte einfach sehen, ob alles so läuft wie gedacht). Draußen ist es mir zu unangenehm für diese Arbeit, außerdem funktioniert das mit dem "Verschmoren" der Enden mittelt Feuerzeugs, in der Windstille des Salons weitaus besser, als im windigen Cockpit!



Da das recht gut funktioniert, und ich ohnehin auf Bepo, meinen Mechaniker warten muss, versehe ich auch die Enden meiner, bis dato, zugegebener Maßen recht lieblos angebrachten Fenderleinen, je mit einem Takling! Insgesamt 14 Stück fertige ich an diesem Nachmittag an. Was täte ich sonst, zum Warten gezwungen!?


Bepo kreuzt nicht auf! Vermutlich wurde das Ersatzteil nicht geliefert! Sonst wäre er gekommen! Ich denke, er will die "Baustelle" hier auch abschließen! So wie ich! Falls ich morgen Mittag noch nichts von ihm gehört habe, werde ich anrufen! Es heute zu tun, erscheint mir zu "sekkant"!

Ich entschließe mich, wieder die paar Schritte zum Restaurant "Zlatna Skolija" zu gehen um dort meinen Bärens-Hunger zu stillen! Habe mir heute lediglich eine "Dalmatinska Juha" (Dalmatinische Packlerlsuppe) gemacht. Die war zwar gut und ich habe sie, in einer Geduldsarbeit mit den, mir zur Verfügung stehenden Mitteln, wieder mal ohne Überkocken hinbekommen. Trotzdem. Ich habe Kohldampf!!! Aufs wiederholte Mal freundlichst empfangen, entschließe ich mich, mir ein Steak mit hausgemachter Pfeffersauce und Pommes zu gönnen. Wie könnte es anders sein!? Ich werde nicht enttäuscht! Genialst! Also entweder der kocht wirklich so gut, oder "derr Hungerr isch derrr besccchte Koccccch!", wie der alte Osttiroler Bergführer mal, im Zuge einer Brotzeit-Unterhaltung auf 2300 Meter Seehöhe, gemeint hatte. Wie auch immer! Es war großartig!


Ich interviewe den Wirt noch bzgl. der offensichtlichen Events, die hier im Gange sind. Seit vorgestern trudeln nämlich immer mehr 14-18 Fuß Boote per Anhänger hier ein, werden aufgeriggt, zu Wasser gelassen, probegesegelt und Reih und Glied im Stadthafen abgestellt! Vornehmlich Slovenen, aber auch Deutsche, Tschechen und Österreicher. Eine Regatta? Er weiß es auch nicht, befragt aber einen Mann, der eben an der Wirtshaus-Terrasse vorübergeht, zwar nicht so aussieht, sich aber auszukennen scheint! Offensichtlich ist wirklich eine Regatta im Gange. Inkl. einem 24 Stunden Rennen. Cool! Das mit diesen, mehr oder weniger offenen, recht nass zu segelnden Booten!? Bei diesen Temperaturen?! Cool! So scheinen die Jungs und Mädels auch zu sein! Ich habe ein paar von ihnen, von Tinas Cockpit aus beobachtet, wie sie mit vollem Tuch die enge Hafeneinfahrt reinkreuzten! Sportlich! Respekt!

20:30 Uhr: Himmel ausgeputzt! Windstill! Wir haben das Schlechtwetter hinter uns. Die nächsten beiden Tage sollen gut werden:




23.3.2017 - Endlich losgekommen! Und dann noch Delfine!

03:30 Uhr: Ich wache auf, springe an Deck und checke das Echolot. Dieses misst 1,2 Meter - das sind vermutlich so an die 10 cm unter dem unter dem Kiel! Das ist mir noch zu unsicher! Da ich ohnehin nicht mehr schlafen kann, die Anspannung ist einfach zu groß, mache ich mir Kaffee und esse Nutellabrote! Sonst frühstücke ich ja nicht, so kurz nach dem Aufstehen, aber heute brauche ich auf jeden Fall Energie! Heute MUSS es passieren! Tina und ich wären ja schon gestern bereit gewesen, doch die blöde Tide hat uns einen weiteren Tag Verzögerung eingebracht!

Um 04:30 Uhr springt das Echolot von 1,2 auf 1,3 Meter um! Jetzt oder nie! Das angesagte Hochwasser sollte relativ milde ausfallen. Womöglich wird's gar nicht mehr mehr?! Jetzt oder nie! Ich mache Tina startklar, und will das Ablegemanöver genauso anlegen, wie das gestrige. Jetzt steht das Wasser deutlich höher als gestern Vormittag, bei meinem gescheiterten Ablegeversuch! Nun müsste es gehen! Tut es auch! Nachdem ich mir im ersten Anlauf die steuerbord Muring des Liegeplatznachbarn "einfahre"... ich wollte möglichst eng an diesem vorbei, raus aus meinem Liegeplatz. Die Untiefe, die uns gestern für 5,5 Stunden gefangen hielt, unbedingt vermeiden! Die mitgenommen Muring wurde ich aber schnell wieder los. Pinne hart steuerbord! Kurzer Schub vorwärts und schon löst sich die Muringleine von Tinas Ruderblatt und sinkt zu Boden. Wieder retour! Wir sind frei! Unterwegs! Endlich!


Was mich nun, eine Stunde vor Sonnenaufgang, nach der Hafenausfahrt erwartet, ist für mich gänzlich neu - aber auch wunderschön! Würde mein Motor nicht vor sich hinbrummen, es wäre totenstill hier draußen. Nur einem Fischer, im unbeleuchteten Boot, muss ich schon kurz nach der Hafenausfahrt ausweichen. Sonst ist hier niemand! Auch die Seevögel scheinen noch zu schlafen!


Ich steuere im Stehen - die Pinne zwischen den Beinen - aus der Bucht von Jezera heraus und um das Rt. Rat, eine markante Landmarke ganz im Süden von Murter, rum. Danach will ich den Autopiloten aktivieren, damit ich die Szenerie noch mehr genießen kann, und nicht ständig selbst steuern muss. Doch dieser lässt mich im Stich! Das Ding hatte letztens schon Mätzchen gemacht, funktionierte dann aber wieder! Gerade jetzt, da ich allein am Boot bin und einen "eisernen Rudergänger" dringend brauchen könnte, gibt das verdammte Ding seinen Geist auf! Naja, gehe ich halt selbst Ruder! Ich habe ja alles was ich brauche im Cockpit. Bananen, 2 weitere Nutellabrote, Wasser, Zigaretten und das IPad zum Navigieren. Mein Handy, um Fotos zu schießen, ist ohnehin immer dabei. Die Szenerie ist gewaltig! Dieses Seegebiet habe ich ja schon einige Male befahren, aber nie um diese Tageszeit! Genial! Schade, dass ich das mit niemandem teilen kann! Diese Pastellfarben am Himmel über den Kornaten! Toll!


Als ich nach gut 2/3 der Strecke, Vrgada, eine Insel die mir sehr gut aus meiner Motorboot-Zeit bekannt ist, passiere, DAS Highlight des Tages! Delfine! Irre! Ich kann es kaum glauben, dass mich diese auf meiner allerersten Einhandfahrt besuchen kommen! Danke! Vielen, vielen Dank!!! Das ist erst das zweite Mal, dass ich Delfinen in freier Natur begegne! Gerade jetzt hätte sich der Autopilot aber sowas von bezahlt gemacht. Ich muss leider an der Pinne stehen, und kann somit keine ordentlichen Fotos und Videos von diesen genialen Geschöpfen machen. Aber immerhin gibt es ein wenig Beweismaterial! Eine Delfinschule von mindestens 5 Tieren, schwimmt gemütlich geschätzte 100 Meter backbords von mir. Geil!


Nicht ahnend, dass es diesmal auch funktioniert, denke mir, lockst sie halt an, wie beim letzten Mal, und beginne ich zu jubeln und rufen! Sie tauchen immer wieder auf und ab, aber sie nähern sich. Ich rufe weiter! Noch lauter! Sie nähern sich weiter, bis sie schließlich eine Zeit lang neben dem Boot herschwimmen und sogar darunter durchtauchen! Herrlich! Wahnsinn! Und das an diesem, so schon so besonderen Tag! Vor dieser Insel, die die allererste Insel war, die ich als Skipper eines 6 Meter Motorbootes angelaufen bin! Und jetzt das hier! Ich werd verrückt! All die Mühe und Anstrengung, ja all die Sorgen der letzten beiden Monate und jetzt DAS hier! Geil! Danke! Ich sehe das als den Lohn, den ich mir gestern noch erbeten habe!


Weit ist es nicht mehr bis Biograd, so treibe ich um 09:40 schon vor der Hafeneinfahrt der Marina Kornati. Ich bringe die Fender aus und belege die Festmacherleinen an den vorlichen Klampen! Dann melde ich mich noch telefonisch beim MarinaOffice und bekomme eine ungefähre Angabe, wo mein Liegeplatz denn sein könnte! Es würde ein Mariniero auf mich warten! OK! Na dann schauma mal ....


Es kann losgehen! Endspurt! Jetzt nur keinen Fehler mehr machen! Ich drossle Tinas Motor! Standgas! Wir gleiten durch die Hafeneinfahrt und als ich schon fast am Ende der "Hauptverkehrsstraße" der riesigen Marina bin, winkt mir ein Mann im weißen Polo. Das kann nur mir gelten! Er deutet in eine Richtung, in der ich zuerst gar keine weitere Boxengasse mehr vermute, aber doch - da geht's ja nochmal rum! Ich drehe nach steuerbord ab und biege ein! 30 Meter weiter steht schon wieder einer und winkt! Der selbe Mariniero. Ich soll nun in eine weitere Boxengasse abbiegen. Okay?! Na ob das gut geht! Es wird nun subjektiv gesehen immer enger! Am Molenkopf des Steges, nach dem ich rein soll, hängt eine in Österreich geflaggte Bavaria 37. Jemand ist im Cockpit und schaut mir zu, wie ich stehend, mit der Pinne zwischen den Knien, etwas desorientiert vorüberfahre. Ich probier's: "Is do eh gnuag Plotz? Der hätt ma do eina deit!" Und siehe da! Ich bekomme ein freundliches: "Jo, san eh nu 2 Plätz frei! Ganz vurn!" zurück! Danke! Das dämpft mein Gefühl der Unsicherheit, den winkenden Menschen missverstanden haben zu können. Also ziehe ich an der Pinne und gleite in die hoffentlich letzte Boxengasse dieses Irrgartens. Ganz im letzten Eck steht er dann, der Herr, der mich auf seinem Fahrrad, von Steg zu Steg sprintend, hier herein gelotst hat! Das Anlegemanöver funktioniert einwandfrei! Wie fast alle Marinieros, ist auch dieser junge Mann äußerst freundlich, ruhig und hiflsbereit. Ich übergebe ihm die Schiffspapiere und er zeigt mir noch die Wege zu den Sanitäranlagen und zur Rezeption. Dann zieht er ab. Schade! Hätte gerne mit jemandem ein Anlegerbier auf meine gelungene erste Einhandfahrt getrunken!

Ich bringe das Landstromkabel aus, montiere den Cockpittisch und setze mich allein mit einem Bier hin. In diesem Moment schlendert der österreichische Typ vom Molenkopf an Tina vorbei! "So früh schon?!" meint er! "Naja, ich bin seit halb 4 auf und seit 5 unterwegs!" "OK, dann geht das!" Er lacht! Ich bitte ihn herauf zu mir! Schließlich habe ich eine Kühlbox voll kühlem Bier! Er zögert kurz, lässt sich dann aber zu einem Frühstücksbier überreden! Wir unterhalten uns gut! Ich erfahre, dass er seit 3 Jahren, von März bis Oktober hier auf dem Schiff lebt, sein Boot jedoch dieses Jahr nach Korfu überstellen möchte, um sich von dort aus, dann weiter nach Sizilien - und eventuell weiter! - vorzuarbeiten. Super! So weit wär ich auch schon gern! Ich muss wohl noch ein paar Jährchen arbeiten, bevor ich diesen Traum ebenfalls leben kann!

Nachdem ich die Duschen aufgesucht habe, will ich die Distanzen hier in der Marina checken. Ich liege mit Tina in der Marina Süd - die Schulschiff-Flotte in der Zentral-Marina. Es ist wohl ein ganz schönes Stück zu gehen, ganz rum um den Hafen! Obwohl ich nicht viel gegessen habe, war ich schon Tage lang nicht mehr so hungrig wie heute! Ist es die Anspannung die abfällt? Oder doch die Seeluft? Ich beschließe die Gehzeit zum Steg, an dem die Schulschiffe liegen, zu stoppen, in dem ich das Marina-Restaurant aufsuche, welches genau vor jenem Steg liegt! Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Das Restaurant, und somit die Ausbildungs-Basis, erreiche ich in 10 Minuten flotten Gehens! Passt! Ich esse vorzüglich und gehe dann wieder zurück zu Tina, um ein wenig zu schreiben.

15:00 Uhr: Auf der Terrasse des Marina-Restaurants sehe ich Alex, den Chef. Den frag ich gleich mal, welchem der beiden Schulungsschiffe ich zugeteilt bin. Es ist die "Athi". Der Skipper seie schon an Bord! Also suche ich gleich mal das genannte Schiff! Da ist niemand im Cockpit! Eigentlich soll man ja nicht ungefragt auf ein Boot gehen, aber in diesem Fall .... ich steige über und finde den offensichtlichen Skipper am Boden des Salons rumkriechen. "Hallo, ich bin der Max! Ich komme zur FB2 Ausbildung!". Der Mensch, dessen "Maurer-Dekolleté" ich eben noch zu Gesicht bekommen habe, blickt zu mir auf! "Servus, ich bin der Stefan! Mach mich grad ein wenig mit dem Schiff vertraut." "Gut, dann kann ich ja gleich mitmachen!" "Jo sicher!" Stefan wirkt etwas gestresst. Dürfte eben erst angekommen sein. Er huscht durch den Salon, raus ins Cockpit, an Deck, wieder zurück, wieder rauf! Immer irgendwelche Dinge checkend! Innerlich schmunzle ich! Irgendwoher kenn ich das! Ich warte auf Anweisungen, darf aber vorerst nur rumstehen!

Dann werde ich endlich mal eingeteilt! Wir wechseln eine Genua-Shot und kappen die marode Leine in insgesamt 12 kurze Stücke, zum Knoten üben! Stefan hat nun schon auf Lehrmodus umgeschaltet und zeigt mir auch gleich mal eine Version des Palstek, die ich noch nicht kannte! Den "Gesteckten-Palstek"! Den muss ich zwar erst verinnerlichen, aber dürfte echt viel einfacher und schneller (in manchen Fällen, somit sicherer) zu knüpfen sein. Danke! Dann kommt auch noch Michi, einer der anderen FB2 Trainer, mit dem ich letzten Herbst gemeinsam das ISAF Offshore Survival Training absolviert habe, vorbei! Ich meine, ich hätte gehofft, ihn als Trainer zu haben, aber der Bayer (Skipper Stefan) sei ja anscheinend auch ein "klasser Bursch", was er mir bestätigt! Aber wir werden uns in der nächsten Woche sicher das eine oder andere Mal treffen um gemeinsam das eine oder andere Bier zu trinken! Ich mag den Michi! Tiroler! Alpenskipper quasi! Ebenfalls RYA Yachtmaster Ocean - was "höheres" gibt's nimmer! Ein sympathischer Typ. Ebenfalls Raucher!

Dann trudelt auch schon der Rest der Crew ein und es geht los! Vorstellungsrunde, Sicherheitseinweisung, Deck-Walk, ... das übliche Programm halt! Nach einer Runde "Lassowerfen" beendeten wir den ersten Trainingstag mit einem Kroatischen Cola (Karlovacko Bier) im Cockpit von "Athi", der Dufour Grand Large 460, mit der ich morgen schon fahren darf!

Was für ein Tag! Irre viel passiert heute! Vor nicht mal 19 Stunden habe ich in Jezera abgelegt, einen wahnsinnig tollen Sonnenaufgang und eine einzigartige Morgenstimmung, allein auf dem Meer erleben dürfen, eine tolle Begegnung mit Delfinen gehabt und einige nette Menschen kennengelernt! Ich sage danke und freue mich schon auf morgen! Bin gespannt, was Skipper Stefan noch so zu erzählen hat! Gute Nacht!

22.3.2019 - Nun sitzen wir auch noch auf Grund

Ich starte zeitig und top motiviert in den Tag. Pünktlich um 8 Uhr berappe ich beim Lucka Kapetanja in Tisno (auch sehr nett, die Leute dort) die Kurtaxe für die nächsten 2 Wochen (360 Kuna. 48,50 Euro. Dabei ist es jedoch egal, wie viele Leute am Boot mitfahren!). Um 08:15 Uhr bin ich schon wieder zurück auf Tina und beginne damit, sie seeklar zu machen. Ich hole das Landstromkabel ein, schließe die Seeventile und mache klar Schiff! Danach melde ich mich ordnungsgemäß im Marina-Office ab, hole die Passarella über und finde auch ein geeignetes Plätzchen, um diese an Deck fest zu zurren. Ich schalte den Kühlschrank aus, mache den Pinnenpiloten startklar und deponiere die Steckschotten seesicher in der Hundskoje, gleich neben dem Niedergang. Ich richte mir noch Brote für unterwegs, starte Funk, meinen GPS/Glosass-Empfänger und plane die Route nach Biograd am IPad. Es kann losgehen!

9:15 Uhr: Klar zum Ablegen! Der Wind kommt von hinten, also beginne ich damit, zuerst die Vorleinen los zu machen und auf den Steg über zu werfen, für das Anlegen im Fremdhafen, habe ich eigene Festmacherleinen mit. Nun hängt Tina nur mehr an den Muringleinen, die von ihrem Heck aus, in die Mitte der Boxengasse verlaufen und dort an einem schweren Betonblock befestigt sind. Ich löse nun auch die leeseitige (dem Wind abgewandte) Muringleine und lasse sie auf den Grund des Hafenbeckens absinken. Danach lege ich die luvseitige (dem Wind zugewandte) Muringleine zuerst auf Slip und versuche uns danach an dem dicken Tau rückwärts aus der Box zu ziehen. Ich zerre und zerre! Tina bewegt sich keinen Millimeter nach Hinten. OK, also doch zu viel Wind?! Ich lege den Rückwärtsgang ein. Standgas. Normalerweise sollte es uns nun schon nach hinten ziehen! Nichts tut sich. Ich gebe Gas! Noch nehr Gas! Keine Chance! Huston, we have a problem! Tina steckt mit ihrem Kiel im Sand/Seegras des Hafenbodens fest. Fuck! Wir hatten doch eigentlich schon abgelegt!

Ein teilnahmslos, direkt an der Szenerie vorbeigehender Mariniero, welchen ich zu mir winke, bestätigt meinen Verdacht! Ich Depp habe die Tide nicht bedacht! Warum sollte ich das auch gemacht haben?! Hier beträgt der Tidenhub ja nicht mal einen Meter und in all den Jahren musste ich mir wirklich nirgends, in keinem Hafen und mit keinem Schiff, egal ob Motor- oder Segelboot, um die Tide sorgen! Wer konnte damit rechnen, dass der Liegeplatz hier so(!) seicht ist, dass sogar die kleine Tina, mit ihrem geringen Tiefgang von 1,4 Metern Probleme hat? Der Vorbesitzer hätte mich auch warnen können! Und die Leute an der Rezeption, bei denen ich mein Auslaufen bekanntgegeben habe, ebenfalls! Naja, auf jeden Fall dürften wir sowohl bei der Probefahrt, als auch beim Erstschlag mit Wolfgang verdammtes Glück gehabt haben. Nicht auszudenken, wenn wir ausgefahren wären und nicht mehr rein gekonnt hätten, da zwischenzeitlich das Wasser abgelaufen ist?! Im besten Fall wären wir direkt am Liegeplatz, oder kurz davor auf Grund gelaufen, im Schlechtesten schon irgendwo mitten im Hafenbecken. Die Betonblöcke im seichten Wasser hinter Tinas Liegeplatz, wirken jetzt übrigens irgendwie noch bedrohlich näher an der Oberfläche, als zu vor.

Nachdem ich die quasi "trockenfallende" Tina wieder mit Vorleinen und einer zweiten Muring sichere, checke ich, noch im Cockpit sitzend, die Gezeitentabelle! Hochwasser war heute um 05:27 Uhr. Niedrigwasser ist für 11:25 Uhr angesagt! Als ich ausfahren wollte, war das Wasser also schon 4 Stunden am ablaufen. Shit! Nächstes Hochwasser wird, je nachdem welchem Tiden-Vorhersagemodell man Glauben schenkt, um ca. 18:00 Uhr sein. Sofern ich, als jemand, der nun erstmalig mit der Tide konfrontiert wird, das beurteilen kann, wäre die nächste Möglichkeit auszulaufen so gegen 15:00 Uhr. Eventuelle eine halbe Stunde vorher. Wenn ich also um 15:00 Uhr freikommen sollte und mit durchschnittlich 4 Knoten fahre, könnte ich bestenfalls so gegen 19:00 Uhr, also bereits in der Dunkelheit, in Biograd einlaufen. Ich weiß nicht, ob ich meine erste Alleinfahrt teilweise im Dunkeln machen möchte!? Nachtfahrt hatte ich bisher ja auch noch keine! Der nächste Rückschlag! Und das "nachdem" wir eigentlich schon unterwegs waren. OK, wir haben uns zwar nur ein paar Meter bewegt, aber hey, wir waren in Gedanken schon auf dem Weg nach Biograd! Dann das! Shit! Echt!

11:25 Uhr: Das Echolot zeigt 1,1 Meter unter dessen Einbauposition, welche sich etwas unter der Wasserlinie befinden sollte. Mittlerweile hängt Tina schief! Sie neigt sich auf ihre steuerbord Seite und kippt auch schon leicht nach vorne. Am Bug hat das Schiff fast gar keinen Tiefgang. Der gesamte Kiel befindet sich im hinteren Drittel des Bootes. Somit schwimmt der Bug noch, während Tina mit dem Kiel im Schlamm steckt. Komisches Gefühl so bergab in der Dinette zu sitzen und zu schreiben.

Als ich draußen nochmals die Lage checke, erspähe ich einen Mann in ACI Kluft. Ich hechte auf den Steg - Gangway hab ich vorerst nicht wieder ausgebracht - und winke ihn zu mir. Der freundliche Herr klärt mich über die Tide hier auf und versichert mir, dass es ausschließlich im Winter Probleme damit geben kann. Im Sommer ist der Wasserstand generell um einiges höher. Da sollte ich dann jederzeit ausfahren können, ohne auf die Gezeiten achten zu müssen. Ich atme auf! Es stellt sich heraus, dass der Mann der Marina-Manager ist. Er dürfte Zeit haben und beginnt über die Bauvorhaben hier zu berichten. Das gesamte Areal rund um die Rezeption, die bereits neu sanierten Sanitäranlagen, den Pool und das Restaurant wird heuer noch neu gestaltet. Auch wird kommenden Winter "mein" Steg erneuert.


Da ich den "Macher" hier anscheinend schon an der Hand habe, wünsche ich mir, in unerwartet freundlich-frecher Art, für meinen Liegeplatz, anstatt der Ringe, viel einfacher zu handhabende Poller! Er lacht und meint, dass sie ohnehin auf Poller umsteigen werden. Auch für die Marinieros ist das Leinenhandling damit um einges einfacher und auf lange Sicht eines Mariniero-Lebens, doch körperlich weniger belastend. Er meint, viele Marinieros hier hätten Probleme mit dem Rücken oder den Knien. Vom oftmaligen kniend/gebückten Einfädeln der Festmacher-Leinen, von oft hunderten Booten am Tag, in die dummen kleinen Ringe! Er sagt, er war 25 Jahre lang Marina-Manager in Skradin und meint, im direkten Vergleich sind die Marinieros mit ähnlichen Dienstzeiten in Marinas, wo an den Stegen seit jeher Poller angebracht sind, in Bezug auf ihren Bewegungsapparat, deutlich weniger abgenutzt, als jene Hafenhelfer, welche sich über Jahrzehnte mit Festmacherringen abmühen mussten. So kann jeder Job, auch wenn er mit Booten und Meer zu tun hat, und für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer "lässig" erscheint, dann doch seine Schattenseiten haben.
Was mich freut, ist die Menschlichkeit, die dieser Marina-Manger gegenüber seinen Mitarbeitern und dem Berufsstamm an sich gegenüber zeigt! Toll! Die Welt braucht mehr von solchen Chefs! Eine weitere Info: das gesamte Hafenbecken wird, beginnend mit dem Bereich bei der Krananlage/Tankstelle, im Laufe der nächsten Jahre tiefer gemacht. So auch der Bereich, wo Tina liegt! Super! Erst gegen Ende unserer Unterhaltung meint er, in beinahe akzentfreiem Deutsch, dass wir uns aber auch in meiner Muttersprache unterhalten könnten, sofern ich wolle! Lach! Ich komm eigentlich ganz gut mit meinem Englisch durch, aber ja, das hätte diese nautische Konversation zwischen uns wohl doch etwas einfacher gemacht!

Ich gehe wieder unter Deck und checke sämtliche Tidentabellen, die ich finden kann. Und die alle irgendwie geringfügig was anderes sagen. Beginne, mit den Daten aus dem Internet und dem, was mein altes Echolot anzeigt, in eine Art Selfmade-Tidenkurve zu erstellen. Geht mehr schlecht als recht, aber zumindest eine Kurve!

Da ich ja eh Zeit habe, fahre ich nach Murter. Habe im Vorbeifahren gesehen, dass es dort einen Musto-Shop gibt! Ich könnte noch eine Segelhose, sowie einen Windbreaker brauchen. Ich werde von einer äußerst netten und liebenswerten Dame, mittleren Alters begrüßt die mir sofort bereitwillig das Sortiment, des chaotisch wirkenden, aber dennoch recht gut sortierten Shops zeigt. Mit mehreren Anproben arbeiten wir uns zu einer Hose durch, die super passt und noch dazu um 50% verbilligt ist! Deal! Sie zeigt mir dann noch eine Softshell-Jacke, die auf Anhieb passt und ebenfalls nur die Hälfte des regulären Preises kostet! Tja, man muss ja auch mal Glück haben! Der bitter Beigeschmack dabei! Als ich den Shop verlassen will und nach meiner Sonnenbrille greife, hat sich diese in Luft aufgelöst. Ich war mir fast sicher, sie aufgehabt zu haben, als ich den Shop betrat, aber die Verkäuferin meint, ich wäre ohne gekommen. Trotzdem durchsuchen wir gemeinsam jeden Winkel des winzigen Shops! Nichts! Gut, dann hab ich sie wohl wirklich auf dem Schiff gelassen ....

14:00 Uhr: Das Wasser läuft wieder auf. Jetzt zeigt das Echolot schon 1,2 Meter.

14:36 Uhr: In einer Böe schlägt es die Pinne auf die andere Seite. Konnte diese seit Stunden nicht mehr bewegen, so fest waren Kiel und somit auch das daran angehängte Ruder, im Schlamm eingegraben.

14:40 Uhr: Das Echolot zeigt 1,3 Meter: Eine weitere starke Bö drückt Tina von der Untiefe, die sich anscheinend gleich neben Tinas Liegeplatz befindet. Nach fünfeinhalb Stunden schwimmen wir wieder! Ich zücke den Bootshaken und ziehe uns damit ganz nah ans Nachbarschiff. Dann lege ich eine Sicherungsleine zwischen Tina und dem benachbarten Segelboot, damit es uns nicht wieder auf die Untiefe treiben kann. Das Echolot zeigt nun komischerweise wieder 1,1 Meter. Weniger als zuvor, als wir auf Grund lagen! Somit kann dort eigentlich nur eine lokale "Untiefe" sein, auf der Tina mit ihrem Kiel hängengeblieben ist, als uns beim Ablegen eine Bö etwas nach steuerbord vertrieben hat. Der Geber für das Echolot sitzt etwas weiter vorne - kann sein, dass Tina dort noch nicht ihren maximalen Tiefgang hat. Das würde mir das Freikommen, trotz Verminderung der Wassertiefe um gar 20 cm, irgendwie erklären. Trotzdem komisch zu wissen, dass es jederzeit wieder soweit sein kann. Und vermutlich auch wird! Spätestens um 00:00 Uhr, wenn das nächste Niedrigwasser da ist, wird es selbst in der Box schon arsch-knapp! Ich hoffe auf ruhige See, damit ein eventuelles Aufsetzen nicht gar so heftig ist. Ich denke nämlich, die "Faustschläge" gegen das Heck, die ich in den Bora-Nächten als Wellen, die gegen den Spiegel donnern, gedeutet hatte, waren die Geräusche, die der Kiel macht, wenn er im Wellengang auf den Hafenboden rumst!!!!! Mir wird schlecht!!! Gut, dass Tina ein Langkieler ist, der Rumpf also in einem Stück laminiert ist. Im 2 cm dicken GFK sind dann die 1,2 Tonnen Blei fix integriert! Alles robust gebaut und aus einem Stück. Bei anderen Booten ist der Kiel am Rumpf angeschraubt und am Ende ist eine Bleibombe dran! Dort halten nur wenige Bolzen den Kiel am Boot! Grundberührungen sind bei solchen Schiffen definitiv besorgniserregender als bei Tina. Trotzdem ....

15:00 Uhr: Das Echolot zeigt 1,2 Meter in der Box. Jetzt würde ich wahrscheinlich sogar rauskommen. Der Wind würde mich wenn, dann von der Untiefe wegtreiben! Aber wenn ich jetzt noch ablege, würde ich es noch vor Sonnenuntergang bis Biograd schaffen? Eher nicht! Ich müsste an die 6 Knoten Schnitt fahren, was Tina nie und nimmer schafft! Als ich am Morgen erste Überlegungen angestellt habe, hatte ich 15:00 Uhr als frühest mögliche Zeit wieder freizukommen prognostiziert (irgendwie bin ich stolz drauf, als totaler Tiden-Neuling das richtig abgeschätzt zu haben). Da war mir schon klar, dass ich heute nicht mehr ausfahren werde. Shit! Dabei wär alles so gut gelaufen! Tina und ich wären fit und motiviert gewesen! Wieder ein Rückschlag! So langsam wird es zeitmäßig echt knapp! Eigentlich wollte ich mich schon seit gestern, entspannt, in der Marina Kornati, auf die kommenden 2 Ausbildungswochen vorbereiten! Dumm gelaufen! Aber Hauptsache, ich habe morgen nochmal die Chance, mein schon so lange gesetztes, erstes Ziel zu erreichen! Jetzt habe ich schon so viel Zeit, Geld und vor allem auch Arbeit und Nerven investiert! Da muss ich doch jetzt auch mal den Lohn dafür ausbezahlt bekommen!

Meine letzte Chance abzulegen und Biograd per Schiff rechtzeitig zu erreichen, ist morgen Früh ganz zeitig mit dem "Hochwasser", das lt. diversen Apps jedoch nicht berauschend hoch ausfallen soll. Ich werde mich also heute sehr zeitig in die Koje hauen und den Wecker auf 05:00 Uhr stellen. Für 06:03 Uhr ist Hochwasser angesagt. Ich möchte es dann nochmals wagen! Die Sonne sollte um 05:56 aufgehen! Wenn ich also um 06:00 Uhr wegkomme, dann kann ich gegen Mittag in Biograd sein und um 15:00 Uhr gemütlich zum Schulschiff rüber schlendern. Alles im grünen Bereich! Ich muss nur mal rauskommen!!!!!!

17:00 Uhr: Nachdem ich meine Sonnenbrille weder im Auto, noch auf Tina auffinden konnte, fahre ich zurück zum Musto-Shop. Vielleicht das Ding ja mittlerweile aufgetaucht. Leider nein! Also macht die Dame ein zweites Mal am heutigen Tag ein Geschäft mit mir. Ich erstehe eine gute Seglerbrille. Zwar ist diese nicht verbilligt, aber wenigstens habe ich jetzt mal eine "richtige" Seglerbrille.

Als ich schon nach Jezera fahre, will ich gerade anhalten, um das neue Teil, auszupacken und gleich mal einem Feldtest zu unterziehen, da winkt jemand am Straßenrand. Autostopper! Genau dort wo ich eigentlich eh stehen bleiben wollte! Ich nehme sonst nie Tramper mit. Keine Ahnung warum. Ich habe doch keine Angst überfallen oder verschleppt zu werden und meistens ist ja auch noch Platz im Auto?! Vielleicht die Scheu vor dem Unbekannten? Wie auch immer. Heute ist es anders! Ohne großartig nachzudenken - fast automatisch - halte ich genau vor der Nase, der zuvor im Gegenlicht winkenden Gestalt an und lasse das Fenster runter. Die Dame meint, sie müsse zur Autobahn. So weit fahre ich nicht. Eigentlich nur bis Jezera, aber ich biete ihr an, sie bis Tisno zu bringen. Dort sind die Chancen, eine Mitfahrgelegenheit Richtung Autobahn zu erhaschen, weitaus größer als auf der Landstraße, an der Kreuzung, an der es runter nach Jezera geht, und für mich bedeutet das gerade mal 5 Minuten Zeitverlust! Auf der nur Zehnminütigen Fahrt nach Tisno, kommen wir ins Gespräch und ich erfahre, dass die Dame, eine Slovenin, gerade hier herzieht und jetzt mal kurz zurück in die alte Heimat muss, um einige Dinge zu erledigen. Wirklich eine nette Begegnung! Ich werde in Zukunft öfter mal Autostopper mitnehmen. Und vielleicht war diese "gute Tat" karmisch gesehen, gerade richtig. Morgen Früh brauche ich das Universum auf meiner Seite!

Heute konnte ich zwar nicht, wie geplant, ablegen - beziehungsweise, abgelegt hatten wir ja schon! Autsch! - jedoch habe ich 3 wirklich nette Gespräche geführt und im Ausverkauf auch noch einiges an Geld gespart! Glück im Unglück irgendwie! Wie, wenn mich das Universum bei Laune halten wollte?! Ich werde also nun nur noch kochen!? Wohl eher irgendwas Essbares reinstopfen, denn heut freut's mich echt nicht, wie üblich das Wetter und nun auch die Tide checken, eventuell noch die Sanitäranlagen nutzen, wobei es hier drin schon fast zu gemütlich ist, zum rausgehen in den kalten Wind und stinken würde ich noch nicht, den Wecker auf 5:00 Uhr stellen, mich dann zeitig in die Koje schmeißen und hoffen, dass ich morgen die allerletzte Möglichkeit zum rechtzeitigen Auslaufen nützen kann!